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Montag, 6. Juli 2026

Filmempfehlungen aus dem Kinojahr 2025

Hier sind in alphabetischer Reihenfolge ein Drittel (19) der Filme gelistet, die ich im Kino gesehen habe und für die ich mich nunmehr im Rahmen meiner Bestenliste entschieden habe. Ich merkte zu älteren Listen schon an, dass dies immer meine sehr subjektive Bewertung ist. Im Grunde sind es die Filme, die ich am ehesten noch einmal anschauen würde. Auch kann es sein, dass ich den ein oder anderen Film verpasst habe, weil mich der Trailer oder die Zeitungskritik(en) nicht überzeugt hatten. 

Gut und erfolgreich ist bekanntlich zweierlei. Bei insidekino sind die erfolgreichsten Filme 2025 gelistet. Aus der Top 20 habe ich nur einen Film überhaupt gesehen, „Amrum“ (Platz 19). Der Film war auch nicht schlecht, verfehlte aber letztlich meine private Top 19. Auf Platz 43 kommt der erste Film, den ich gut fand, der Horrorfilm „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“.

Bird. Andrea Arnold's Film ist ein Sozialdrama mit phantastischen Elementen. Es geht um ein 12-jähriges Mädchen, das wie alle Menschen in ihrer näheren Umgebung in prekären Verhältnissen des sozialen Wohnungsbaus mit fragil-dysfunktionalen Familienverhältnissen und vielen Kindern lebt. Einer geregelten Arbeit scheint dort niemand nachzugehen. Häusliche Gewalt und Kindermissbrauch kommen vor, aber auch ein Kümmern der älteren Geschwister um die jüngeren. Das Mädchen lernt zufällig einen Typ kennen, der sich Bird nennt und in ihrer Siedlung nach seiner Familie sucht. Ihre Beziehung ist locker. Es mag sogar sein, dass er gar nicht existiert, sondern von ihr als imaginärer Freund herbeiphantasiert ist. Hierfür spricht auch seine Verwandlung zu einem Vogelmenschen, als es einen Konflikt mit dem „Freund“ ihrer Mutter zu lösen gilt.

Bugonia
. Yorgos Lanthimos' neuer Film ist über weite Strecken ein bizarrer Verschwörungstheorie-Streifen mit einsuggeriertem Hinterwäldler-Milieu. Zwei abgehalfterte Typen, die in einem abgelegenen Haus wohnen und von denen der eine etwas geistig zurückgeblieben und manipulierbar ist und der andere irren Theorien nachhängt, entführen die Chefin eines Agrar-/Gentechnik-Konzerns in ihr Haus, weil sie sie für ein Alien aus dem Andromeda-System halten. Ihr Ziel ist, auf das Raumschiff der "Frau" mitgenommen zu werden, um mit deren Chef zu verhandeln. Die Frau leugnet ihr Alien-Dasein und die Existenz des Raumschiffs natürlich, aber sie wird gefoltert und muss eine andere Strategie einschlagen. Blutige Splatter-Szenen wie hier gibt es üblicherweise oft nur in einigen Horror- oder Serienkillerfilmen zu sehen – und von letzteren ist der Film auch nicht allzu weit entfernt. Aber die Geschichte ist schon komplexer, das wird gegen Ende des Films deutlich, als die Aliens die Menschheit als hoffnungslosen Fall aufgeben. Insoweit ist dem Regisseur hoch anzurechnen, auch eine politische Botschaft bezüglich Klimaschutz und Artensterben einzubringen. 

Das Licht
. In seinem fast 3-stündigen Film analysiert Tom Tykwer bundesdeutsche Befindlichkeiten am Beispiel einer vielleicht etwas „dysfunktionalen“ Familie des gehobenen Mittelstandes in Berlin. Diese residiert in einer großen Altbauwohnung. Die Eltern haben gute Jobs in der Projektentwicklung, sei es in einer Berliner Werbeagentur oder in der Entwicklungshilfe. Die Frau ist häufig in Kenia, um ihr Projekt voranzutreiben. Die 17-jährigen Kinder leben weitgehend in ihrer eigenen Welt, sei es im online-Gaming zu Hause (der Sohn) oder bei Tech-Parties mit Drogenrausch oder im Klima-Aktionismus (die Tochter). Die Eltern können sich eine Haushaltshilfe leisten, und sie brauchen eine neue, da sie ihre alte Haushaltshilfe tot in der oft dunklen Wohnung vorfinden. Mit der neuen, syrischen Haushaltshilfe kommt das Licht ins Spiel; denn diese veranstaltet lichttherapeutische Stroboskop-Seancen und kann auch die Familienmitglieder überzeugen, solche zu machen, um die Familie wieder mehr zusammenzubringen. Gegen Ende des Films veranstaltet sie mit ihnen eine selbsttherapeutische Licht-Therapie, um ihr Flüchtlingstrauma zu behandeln, eine Art Toten-Beschwörung. Der Film ist atmosphärisch-stimmig gelungen, schauspielerisch gut besetzt und auch visuell sehr unterhaltsam, mitunter mit kurzen Comic-Sequenzen und Aktionskunst-Tanzeinlagen in der City aufgelockert. Es gibt ansprechende Berlin-Bilder, wobei es meistens in Strömen gießt, und es werden sehr viele Themen aus der bundedeutschen Wirklichkeit der letzten Jahre angerissen. 

Der Lehrer, der uns das Meer versprach
. In Adaption eines Romanes von Francesc Escribano erzählt die spanische Regisseurin Patricia Font von einem düsteren Kapitel im Vorfeld der Franco-Diktatur. Der Film spielt in den Jahren 1936 und 2010. Der Handlungsstrang im Jahr 2010 erzählt von Massengräbern und einer Frau, die aufgrund eines entgegengenommenen Anrufs einer Ausgrabungsstätte, der eigentlich ihrem im Pflegeheim lebenden Opa galt, in ein ihr völlig unbekanntes Kapitel aus dem Leben ihres Opas verwickelt wird. Dieser hatte nie etwas von seinem Vater oder seiner Kindheit erzählt. Sie besucht die Ausgrabungsstätte, nimmt Kontakt mit der Bevölkerung im benachbarten Dorf auf und recherchiert auch in diversen alten Unterlagen. Der andere Handlungsstrang spielt im Jahr 1936, als ein neuer Lehrer in ein Provinzdorf kommt und ganz andere, gewaltfreie Unterrichtungsmethoden in der winzigen Dorfschule einführt, nachdem der Priester von der Regierung als Lehrer abgesetzt wurde. So bringt er auch eine Druckerpresse mit, damit die Kinder ihre eigenen Texte drucken und als Heft herausbringen können. In einem Heft geht es darum, wie sich die Kinder das Meer vorstellen, das sie noch nie gesehen haben, aber bald gemeinsam besuchen wollen. Doch der Konflikt mit dem Priester, dem Bürgermeister und streng katholisch-autoritären Eltern bahnt sich schon früh an. Und als die Faschisten einen Bürgerkrieg beginnen und auch in das Dorf kommen, sind die Tage des Lehrers gezählt. Der Film ist aus meiner Sicht insbesondere als Schulfilm mit kreativem Schulunterricht ziemlich gut. Auch das Thema, Eltern zu überzeugen, die Kinder überhaupt in die Schule zu schicken, wird exemplarisch herausgearbeitet. 

Die Farben der Zeit
. Dieser Film von 
Cédric Klapisch hat als Ausgangspunkt eine Erbengemeinschaft, die weder voneinander viel weiß, noch von der Existenz einer gemeinsamen Vorfahrin wusste. Und auch das Haus in der Normandie, das seit den 1940er Jahre verschlossen dem Zerfall entgegendämmert und abgerissen werden soll, um einem Bauprojekt zu weichen, war ihnen völlig unbekannt. Sie bestimmen eine Delegation von 2 Frauen und 2 Männern, um den Ort in Augenschein zu nehmen und treffen auf eine Hausruine mit Inventar, darunter ein ganzes Zimmer mit Bildern und Fotographien zur Familiengeschichte an den Wänden, aber auch alten Briefen. Im Laufe des Films tauchen sie ein in die Vergangenheit, lassen auch ein impressionistisches Gemälde sachverständig untersuchen. Und der Film taucht ebenfalls visuell in die Vergangenheit ein, erzählt von der Frau, die 130 Jahre früher mit ihrer Großmutter dort lebte und 1895 aufbricht, um in Paris ihre Mutter zu suchen und einige Zeit später mit dem Claude-Monet-Gemälde zurückkehrt. Es gibt also zwei Erzählstränge, die in wechselnden Montagen verflochten werden; auch visionäre Ereignisse unter dem Einfluss einer halluzinogenen Droge, die die Protagonist:innen der Erbengemeinschaft an einem Abend einnehmen, werden gezeigt. Eine sehr schöne Geschichte. 

Die leisen und die großen Töne. Emmanuel Courcol's Film spielt weitgehend im provinziellen Nord-Frankreich und erzählt von zwei Brüdern, die sich bis dato nicht kannten und von denen der eine ein namhafter, international tätiger Dirigent ist und der andere in seiner Freizeit im örtlichen Fest-Orchestra Posaune spielt und ansonsten in einer Großküche arbeitet. Als der Dirigent an Leukämie erkrankt und die Schwester für eine Rückenmarkspende in Frage kommen könnte, stellt sich heraus, dass sie gar nicht seine Schwester ist und als Spenderin nicht in Frage kommt. Recherchen ergeben dann, dass er überraschenderweise aber einen Bruder hat. Er sucht ihn in der Provinz auf und die Spende kommt später zustande. Im Laufe der kommenden Wochen/Monate kommen sie sich näher und lösen auch einige Probleme im Laien-Orchester, das aufgrund der Schließung des örtlichen größeren Gewerbebetriebs sowohl personell als auch aus Proberaumgründen vor der Auflösung steht. Dem Regisseur ist ein sehr einfühlsam-sentimentaler Film gelungen, der in den Schlussszenen mit einem überraschenden Auftritt des Laien-Orchesters in einer echten Konzerthalle mit einer Bolero-Komposition noch an Größe gewinnt. 

Die Saat des heiligen Feigenbaums
. Dieser Film von Mohammad Rasoulof setzt Emotionen frei. Er erzählt vom Zerfall einer Familie, „vom Bröckeln patriarchaler Macht“, wie kino-zeit treffend ausdrückt. Und dies vor dem Hintergrund landesweiter Proteste nach dem gewaltsamen Tod einer Frau. Die Familie, von der erzählt wird, ist eine Kleinfamilie, Mutter, Vater, zwei Töchter in jugendlich-pubertärem Alter. Sie bekommen viel mit von den Protesten, haben Fragen. Doch gleichzeitig erhält der Vater ein sensibles, belastendes Amt als Untersuchungsrichter und zu seinem eigenen Schutz vom Regime einen Revolver. Und er möchte, dass die Töchter vorsichtig sind bei dem, wie sie sich kleiden, wen sie einladen und was sie mit ihrem Smartphone machen. Die Töchter sind empört, die Mutter versucht zu vermitteln. Die Situation eskaliert, als der Revolver verschwindet – und alle (Mutter, Töchter) sich zunächst standhaft weigern, etwas damit zu tun zu haben. Gleichzeitig geraten die Namen der Richter ins Internet und die Paranoia des Vaters wächst. Er vereinbart für die Frau/Töchter einen Verhörtermin bei einem Spezialisten. Später nimmt er sich eine Auszeit und fährt mit ihnen in die Berge, um die Sache mit dem Revolver zu klären. Die Mutter gibt den Diebstahl zu, eine Tochter gibt den Diebstahl zu. Er sperrt sie in dunkle Kellerräume ein, doch die andere Tochter kann fliehen und später die beiden anderen befreien. In den Ruinen einer nahegelegenen antiken Stadt kommt es zum Showdown. Der Film überzeugt mit Blick auf Story, schauspielerische Leistung, Dramaturgie und Glaubwürdigkeit.

In die Sonne schauen. Mascha Schilinski's Film erzählt aus der Sicht junger Mädchen und Frauen verschiedener Generationen vom Leben auf einem Vierkanthof in der Altmark, etwa in den Jahren 1910, 1940, 1980 und heute. Es ist ein düster-ghostiges, auch sperriges, aber intensives Werk geworden, das sich zentral um das sexuelle Erwachen, Phantasiewelten von Kindern und die Frauenrollen auf einem bäuerlichen Hof in über 100 Jahren Zeitgeschichte dreht. Der Film arbeitet mit knackenden Dielen, Kerzen und Gaslichtern, alten Portrait-Aufnahmen sowie verschwimmenden Filmaufnahmen und verschwimmenden Zeitebenen. Es gibt bizarr-archaisch anmutende Riten und Ereignisse um Tod, Krankheit und Religion zu sehen, und ich hatte immer das Gefühl, dass in Kürze etwas Schlimmes passiert. Aber der Film hat sicher auch herausragende junge Schauspielerinnen und authentische Requisiten zu bieten, auch authentische Sprache, so dass es deutsche Untertitel gibt. Ab 16, nix für Kinder. Es ist keine chronologisch erzählte Familien- oder Hofgeschichte, hier werden nur Splitter geliefert, die oft wie alte Echtzeit-Kindheitserinnerungen wirken.

Könige des Sommers
. Louise Courvoisier's Film spielt im dörflichen Französischen Jura. Nachdem der Vater betrunken nach einem Dorffest mit seinem Wagen tödlich verunglückt, bleibt der gerade eben volljährige Sohn mit seinem kleinen Schwesterchen allein auf dem bäuerlichen Hof zurück. Wie kommt man an Geld? Er versucht es zunächst im örtlichen Molkereibetrieb, Kessel putzen und so, aber auch Milchtanker fahren, um früh morgens die Milch abzuholen. Das Schwesterchen darf immer mit. Nach einer Auseinandersetzung mit Arbeitskollegen wird er jedoch gefeuert. Also versucht er sodann den Hof zu managen. Bei einem weiteren Dorfereignis hört er, dass der Preis für den besten Käse 30.000 € einbringt. Das will er machen. Zwei seiner Freunde helfen, doch Ahnung haben sie alle nicht, und es gibt technische Pannen. Nach einer Fortbildungsmaßnahme ist wenigstens das Funktionsprinzip klar, einen Käse stellen Bruder und Schwesterchen her, doch sie werden noch nicht einmal für den Käsewettbewerb zugelassen, denn es gibt formale Hürden und Nachweispflichten, wovon sie naiverweise nichts wussten. Der Film ist mal ruppig, mal einfühlsam in guter, unterhaltsamer Mischung. Sperrig bis witzig sind die ersten sexuellen Kontakte des jungen Mannes mit den Dorfmädchen, Schlägereien mit deren Brüdern inklusive.

Oslo Stories – Liebe
. Dag Johan Haugerud's Film spielt natürlich in Oslo. Erzählt wird aus dem Alltagsleben einer Krankenhausärztin und von von einem jüngeren homosexuellen Mann, der ihr als Pflegekraft zugeordnet ist. Als sie sich zufällig auf einer kurzen Schiffspassage zu einer Insel treffen, sprechen sie über Sex. Er offenbart ihr, dass er hier auf den Schiffspassagen häufig mittels der Dating-App „Tinder“ Partner für unverbindlichen Sex sucht. Die Ärztin probiert das auch bald erfolgreich aus. Obwohl es in diesem Film sehr unverkrampft um unverbindlichen Sex geht, geht es nicht nur um Sex, sondern auch um Krebsdiagnosen und ihre Folgen. Auch dieses Thema wird sehr unverblümt, unverkrampft und mit viel Empathie am Beispiel einer Prostatakrebs-Operation angegangen. Der Film lebt vor allem von seinen natürlich agierenden Schauspieler:innen und den tiefsinnigen Dialogen, und kann nebenbei auch noch Oslo ansprechend präsentieren. 

Queer
. In Anlehnung an einen Roman des „Drogen-Schriftstellers“ William S. Burroughs erzählt Luca Guadagnino von einem älteren Mann (Daniel Craig), möglicherweise Schriftsteller, den seine Lust an Drogen und Sex umtreibt. Mindestens die erste Hälfte des Films soll in den 1950er Jahren in Mexico City spielen. Dort schlendert der Mann durch die Schwulen-Bars, lernt einen jungen Mann kennen, den er auch verführen kann. Dieser Teil des Films hat viel mit Blicken, Annäherungen und Drogen aller Art (Tabak, Alkohol, Kokain, Opiate) zu tun. Dann gibt es einen Bruch im Film. Der Mann und sein junger Freund fliegen nach Ecuador, kämpfen sich durch den Dschungel, um dort unangemeldet eine Botanikerin zu besuchen, die über eine telepathisch wirksame Pflanzendroge forschen soll. Es gibt hier eine wundervolle Szenenfolge mit einer Schlange, die das Haus der Forscherin bewacht und aggressiv reagiert. Auch die Forscherin fummelt anfangs ziemlich intensiv mit ihrer „Kanone“ herum. Die Männer stellen sich für Drogenexperimente zur Verfügung. Der Film wird fortan sehr surreal-psychedelisch, grenzt ansatzweise an Body-Horror mit Körperverschmelzung. Atmosphärisch-visuell überzeugend mit einem famos agierenden Hauptdarsteller.

Rückkehr nach Ithaka
. Von Homer ist nicht sicher, ob er überhaupt gelebt hat. Die Odyssee ist jedoch ein berühmtes Werk der Antike. Uberto Pasolini's Film erzählt von wenigen Wochen, in denen Odysseus etwa 20 Jahre nach Ende des Trojanischen Krieges an die Küste seiner Heimatinsel Ithaka gespült wird und nach seiner Regeneration incognito langsam wieder nach der Macht greift. Penelope, seine treue biedere Ehefrau und Königin residiert in einer Festung über dem Meer und hat in den vielen Jahren zahlreiche Freier hingehalten, indem sie vorgab, erst ein Totentuch fertigstellen zu müssen. Doch sie zerstörte es nachts immer wieder. Die Freier, die auch in der Burg leben und den König schon lange für tot halten, werden immer aggressiver. Die Geschichte beginnt sehr langsam, wirkt intensiv erzählt, hat Tiefe. Traumata des Helden, der zunächst als Bettler auftritt, spielen eine Rolle. Und Penelope erkennt ihn langer Zeit gar nicht, als er auf der Burg erscheint. Der Film lebt insbesondere von seinen beiden Hauptdarsteller:innen, aber auch der Atmosphäre, die in den Landschaftsaufnahmen und dem einfachen Leben zur damaligen Zeit zum Ausdruck kommt. Bombast sieht man im Film nicht, gleichwohl wird sie gewalttätig; denn gegen Ende verkündet die Königin, dass derjenige, der mit Odysseus' Bogen das aufgestellte Ziel trifft, ihr Gemahl werden kann. Alle Freier versagen, bekommen den Bogen nicht mal gespannt, bis ein „Bettler“ antritt. Ab 16. Ein sehr schöner Film.

Sentimental Value
. Joachim Trier's Film spielt zu einem erheblichen Teil in einer alten großzügigen Osloer Holzvilla. Die Frau, die dort zuletzt lebte, ist tot. Sie hatte zwei Töchter, die die Trauerfeier im Haus ausrichten. Zu der Feier kommt auch der lange geschieden und woanders lebende Vater. Und von da an beschreibt der Film mit hoher emotionaler Intensität eine problembeladene komplexe Vater-Töchter-Beziehung. Der Vater war mal ein bekannter Regisseur, doch seit 15 Jahren hat er keinen Film mehr gemacht. Er hat ein neues Drehbuch geschrieben, und er möchte wieder Kontakt zu seinen erwachsenen Töchtern. Auch soll seine ältere Tochter die Hauptrolle in dem Film spielen, später ein Enkel eine Nebenrolle. Die Töchter weigern sich zunächst, haben mit emotionalen Problemen zu kämpfen. Wie sich herausstellt, verarbeitet das Skript Familiengeschichte, insbesondere den Freitod der Mutter des Regisseurs, die sich im Haus erhängte. Das schauspielerische Ensemble des Films kann schon sehr überzeugen.

Sirat
. Der Film des französisch-spanischen Regisseurs Oliver Laxe ist ein Aussteiger-Road-Movie, das überwiegend in Marokko spielt. Erzählt wird eine ziemlich finstere Geschichte. Ein europäischer Vater sucht mit seinem kleinen Sohn seit einem halben Jahr seine Tochter. Deshalb sind sie in Marokko mit einem Lieferwagen unterwegs und kommen zu einem Ort in felsig-wüstenhafter Gegend, an dem ein Techno-Rave-Festival stattfinden soll, wo sie das Mädchen vermuten. Niemand hat das Mädchen gesehen, und die Polizei verbietet das Festival. Einige Fahrzeuge büchsen aus dem Konvoi aus und nehmen eine Nebenroute. Vater und Sohn folgen zwei truckähnlichen Fahrzeugen europäischer Aussteiger, die zu einem anderen Rave-Festival nahe der mauretanischen Grenze fahren wollen. Die Strecke wird abenteuerlich, Abgründe lauern, kleinere Flüsse müssen durchquert werden. Die Raver helfen, weil der Lieferwagen das nicht alleine schafft. Man kommt sich näher, doch der Tod schlägt zu, als sich im Lieferwagen die Handbremse löst und der Wagen mit dem Sohn in den Abgrund stürzt. Danach wird Trauerarbeit geleistet, doch die Trucks geraten später in der Wüste in ein Minenfeld, das weitere Opfer fordert. Man erfährt wenig über die Hintergründe der Personen im Film, doch Atmosphäre, Szenerie, Soundtrack und Story können schon beeindrucken. 

The Assessment
. In Fleur Fortune's dystopischen SF-Film lebt ein Bruchteil der Menschheit unter geschützten, klimagesteuerten Kuppeln, während die Menschen in der Außenwelt desaströsen Verhältnissen auf einem weitgehend zerstörten Planeten Erde ausgesetzt sind. Diesen Rahmen setzt der Film visuell nur am Rande um. Technisch versiert, hat man auch ein Mittel gefunden, das die Lebenszeit dieser privilegierten Menschen deutlich verlängert. Damit entsteht jedoch das altbekannte Problem von Kindern und Bevölkerungswachstum. Kinder bekommen, ist in dieser Dystopie nur erlaubt, wenn das Paar eine einwöchige Testzeit übersteht und seine Eignung als Eltern nachweisen kann. Es kommt eine junge Gutachterin in das Haus, das visuell vielleicht an der Küste Gomeras liegen könnte. Anfangs guckt sie sich alles nur an und stellt Fragen, möchte dem Paar bald auch beim Sex zusehen. Doch das war nur Tag 1, denn Provokation ist das Mittel der Prüferin, das Paar auseinanderzubringen. Sie schlüpft dann bald in die Rolle des Kindes oder einer Verführerin oder einer Saboteurin, und sie lädt auch unliebsame Gäste ein. Sehr cooler Film, überwiegend ruhig mit viel Empathie, auffallend passendem Film-Soundtrack und überzeugenden Darsteller:innen. Am Ende ist dennoch viel total kaputt: die Beziehung, die Prüferin und das große Treibhaus, in dem die Frau des Hauses geforscht und Pflanzen gezüchtet hat. 

The Life of Chuck
. Mike Flanagan's Film schwebt zwischen Fantasy, Märchen und Science Fiction. Basierend auf einen Kurzroman von Stephen King, wird in drei Akten, beginnend mit dem Ende, von einem US-amerikanischen Typen erzählt, der schon in jungen Jahren an einem Gehirntumor verstirbt. Gleichzeitig geht die Welt unter, Naturkatastrophen, das Internet, alle Technik versagt, die Leute verschwinden vom Job, von den Straßen, schließlich verschwinden auch die Planeten und Sterne vom Himmel. Spielt sich diese Geschichte im Kopf des Protagonisten ab? Er verschwindet und mit ihm seine Welt? Der zweite Akt erzählt im Prinzip nur eine Tanzszene auf einer Einkaufsstraße. Sehr beeindruckend in Szene gesetzt. Der erste Akt spielt in einigen Jahren seiner Kindheit. Er erzählt von der Schule, einer für ihn bedeutenden Lehrerin, vom Tanzen lernen und von der Welt der Mathematik, die ihm sein als Buchhalter arbeitender Großvater erzählt. Der Film „ist zugleich rätselhaft fiktives Biopic, entspannter Katastrophenfilm, Coming-of-Age-Erzählung, melancholische Liebesgeschichte und magisches Musical“, sagte epd-film. Diese Mischung und eine insgesamt rätselhafte Geschichte dürften den Wert des Films ausmachen.

Together – Unzertrennlich
. Der australische, von Michael Shanks inszenierte Film fällt in die Sparte Body-Horrorfilm. Ein Pärchen zieht aufs Land in ein Haus. Sie machen einen Waldspaziergang, geraten in ein Unwetter, kommen vom Weg ab und fallen durch ein Loch in eine alte unterirdische Höhlenkirche. Sie bleiben dort über Nacht und trinken von dem Wasser eines Beckens. Sie können sich selbst befreien, doch bereits beim Aufwachen stellten sie fest, dass ihre Beine merkwürdig zusammenklebten. Die gegenseitige Anziehungskraft ihrer Körper verstärkt sich im Laufe der folgenden Tage drastisch. Bei Internet-Recherchen stellen sie fest, dass in der Gegend bereits ein Pärchen verschwunden ist und stoßen auf Fotos von der Kirche und sonderbaren Ritualen, die dort mal stattgefunden haben. Ihre gegenseitige Anziehungskraft reicht von mental-körperlichen Entzugserscheinungen, spastischen Krämpfen, heftigem Sex bis hin zur partiellen und totalen Körperverschmelzung, schmerzhaft-blutige Trennversuche inklusive. Es wird nicht deutlich, wo die Grenzen zwischen visualisierten alten und neuen Traumata, Alpträumen und der Realität liegen. Die Schlussszene des Films kann dahingehend interpretiert werden, dass der Film weitgehend Beziehungsängste geschickt, oftmals auch ziemlich drastisch, visualisiert. 

The Secret Agent. Kleber Mendonça Filho's brasilianischer Polit-Thriller gewann die Goldene Palme in Cannes. 
Der Film spielt 1977 in der Stadt Recife zur Zeit der Militärdiktatur. Es gibt mindestens zwei Zeitebenen, die den Durchblick erschweren.

Visuell-atmosphärisch ist der Film ziemlich toll, da er ein rekonstruiertes Bild der lebendigen Stadt Recife zur damaligen Zeit zeigt, alte Autos und Telefonzellen inklusive. 
Es geht um einen ehemaligen Wissenschaftler, der an der Universität bei einigen Mächtigen in Ungnade gefallen ist, der in seine Heimatstadt zurückkehrt und incognito bei der Polizei arbeitet. Aber Auftragskiller finden ihn dort. 

Surreale Szenen um ein Bein, das man in einem Hai findet, spielen ebenso wie der Karneval eine gewisse Rolle im Film. 

Weapons – Die Stunde des Verschwindens. Zach Cregger's vergleichsweise hochgelobter Film ist ein Horrorfilm, er kann aber vielleicht besser als Voodoo-Hexen-Film mit Mystery- und Zombie-Note charakterisiert werden. Außerdem schimmert ein Rattenfänger-von-Hameln-Mythos durch, handelt der Film doch vom plötzlichen nächtlichen Verschwinden von 17 Schulkindern. Der Film ist in einer meist unbelebten US-amerikanischen Vorort-Siedlung angesiedelt. Nur an der Schule scheint was los zu sein. Er beginnt damit, dass 17 von 18 Schüler*innen nicht zum Unterricht erschienen und offensichtlich in der Nacht verschwunden sind. Kameras zeichneten auf, wie sie laufend mit abgewinkelten Armen ihre Wohnhäuser verließen. An der Schule und auch bei der Polizei ist man ratlos, aber die betroffenen Eltern machen die Lehrerin dafür verantwortlich. Die Geschichte wird nachfolgend aus der Perspektive von 6 Personen aufgerollt und offenbart jedes Mal weitere Details und Ereignisse. Der Film hat ein paar, meist alptraumbedingte Jumpscares und später auch einige Splatter-Elemente. Erzählerisch ist er kurzweilig-gekonnt gemacht, wobei die Junkie-Perspektive auf die Ereignisse mir am interessantesten erschien, da der junge Mann als Einbrecher agiert und ungewollt Unheimliches entdeckt. Insgesamt punkten die Darsteller:innen jedoch nicht auf besonderem Niveau, zumal die Dialoge oft eher situationsgebunden trivial sind. 

Das von mir am häufigsten besuchte Kölner Kino war das Odeon, gefolgt vom Cinenova und diesmal gleichauf den Kinos Filmpalette und OFF. 


Dienstag, 30. Juni 2026

Im Kino: Backrooms

Der Film des US-amerikanischen Regisseurs Kane Parsons ist neben „Obsessions“ der zweite Horrorfilm, der viele Kinobesucher angezogen hat und ein großer Erfolg wurde. Beide Horrorfilme haben eine erfolgreiche youtube-Projekt-Vorgeschichte. 

Schauspielerisch kann der Film nicht so ganz mithalten mit „Obsessions“, aber mich interessierte diese Backrooms-Story mehr. In einem Möbelgeschäft macht der Betreiber im Keller eine Entdeckung. Er sieht einen angedeuteten Riss in einer Wand und kann dort durch die Wand gehen. Er kommt in gelbe Flure und gelbe Räume, die wie eine unterirdische Fortsetzung des Möbelgeschäfts wirken. Es sind keine Verkaufsräume, sie sind oft weitgehend leer, aber es findet sich dort manchmal auch Möbel-Sperrmüll. Und die Räume und Flure setzen sich endlos fort. Auch gibt es tiefe Schächte, die in weitere Etagen dieser Parallelwelt führen. 

Der Protagonist entschließt sich, ein befreundetes Pärchen zwecks Erkundung und kameratechnischer Dokumentation hinzuziehen. Diese Expedition endet unglücklich, denn es gibt menschen-/marionetten-/mumienähnliche Monster, und sie sind im Labyrinth gefangen. 

Die Psychotherapeutin des Protagonisten, der er von diesen Räumen erzählt hat, macht sich auf zum Möbelzentrum, nachdem sie die Nachricht bekommen hat, dass er nicht zu weiteren Sitzungen erscheinen würde. Doch es ist eine Falle. 

Ängste und Emotionen, die starr geglaubte Erinnerungen anpassen und umbauen, verschmelzen mit dem liminalen Schrecken. Die Architektur im fragilen Inneren wirkt sich unmittelbar auf die wandlungsfähige Umgebung aus“, meint filmfutter.

Die surreale visuell-akustische Umsetzung ist schon beeindruckend. Für Lost-Places- und Parallelwelten-Anhänger dürfte der Film ein "must see" sein.

Samstag, 27. Juni 2026

Im Kino: Obsessions – Du sollst mich lieben

Curry Barker's Horrorfilm ist einer von zwei US-amerikanischen Horrorfilmen, die schon jetzt weltweit sehr erfolgreich gelaufen sind. Auch das OFF-Kino hier in Köln war gestern gut besucht, ist aber wegen Erkältungsgefahr (23-24 Grad) nicht unbedingt zu empfehlen. 

Der Film handelt von einem jungen, schüchternen Mann, der in einem Musikladen jobt und in seine Arbeitskollegin dort verknallt ist, es ihr aber nicht zu beichten getraut. In einem Esoterikladen, in dem er ein Geschenk sucht, kauft er ein „handelsübliches“ ordentlich verpacktes Objekt (Weidenzweig) mit Bedienungsanleitung und Sicherheitshinweis, das damit wirbt, dass man einen Wunsch äußern kann, wenn man es zerbricht. In verzweifelter Lage wünscht er sich schließlich, dass seine Angebetete ihn mehr als alles andere auf der Welt lieben soll. 

Soweit ist die Story in der phantastischen Literatur und im Film schon seit Langem in zahlreichen Variationen wohlbekannt. Auch dass diese Wünsche sich erfüllen, aber ein fatales Ende nehmen. So auch hier. 

Aber es kommt auf die Umsetzung im Detail an, besonders im Film. Und dieser Film ist schon sehr stimmig im Setting, in seiner Ausstrahlung, in der Geräuschkulisse und im Handeln der Personen (ohne dümmliche Protagonist:innen). Von daher ist der Erfolg nachvollziehbar, auch wenn andere gute, günstig produzierte Filme häufig keinen Erfolg haben. 

Der Film erinnert mich manchmal an „Der Exorzist“, obwohl das Setting ein ganz Anderes ist und auch überhaupt keine Religion hier eine Rolle spielt. Aber ein Dämon übernimmt die Frau bzw. ihr Gehirn und kann sich meistens ihr gegenüber durchsetzen, unterdrückt ihr Ich. Und als Folge möchte die Frau, der Dämon nur noch mit dem Mann zusammen sein, am liebsten 24 Stunden am Tag.

Nach kino-zeitsetzt das Werk auf eine Atmosphäre, die uns ab einem gewissen Punkt stets das Schlimmste befürchten lässt – womit wir dann erschreckend oft richtig liegen .... absolutes Grusel-Gold“. 

Eine Empfehlung gibt’s meinerseits, aber seid gewarnt, der Film ist schon „krass“ mit Blick auf einige Gewaltszenen und einige unheimliche Szenen.

Donnerstag, 25. Juni 2026

Im Kino: The Love That Remains

Wie z. B. bei epd-film nachzulesen ist, ist Hlynur Pálmason's Film „eine träumerisch-surreale Betrachtung einer zerbrochenen Elternbeziehung vor der malerischen Kulisse Islands“. 

Die Frau ist frei schaffende Künstlerin, macht Metall-Schrott-Kunst auf offenem Feld, kann damit aber nicht finanziell reüssieren. Bei ihr in einem Haus nahe dem Meer leben ihre drei Kinder, ein Hund, und es gibt einen Hühnerstall. Ihr Mann arbeitet hingegen auf einem Fischkutter, ist schon mal längere Zeit weg. Sie leben getrennt, aber der Mann kommt öfter zu Besuch, um sie und seine Kinder zu sehen. 

Der Film zeigt einerseits Alltagsleben, vom Fischfang bis zur Kunstwerkerstellung. Andererseits werden einschneidende Begebenheiten insbesondere der Kinder, die von diesen in Träumen verarbeitet werden, surreal in Szene gesetzt. 

Beispielsweise üben die Kinder oft mit Pfeil und Bogen und haben eine ritterähnliche Attrappe gebaut, auf die sie schießen, jedoch schießt der eine Bruder den anderen Bruder an, was einen Notfall-Besuch im Krankenhaus zur Folge hat, und später wird die mit Pfeilen gespickte Ritterattrappe lebendig. Oder ein großer Hahn, der zuvor vom Vater erschlagen worden war (wie er der Tochter gestehen musste), zerrt nachts den Vater aus dem Bett. 

Insgesamt wirkt der Film vielleicht etwas ziellos (wie das Leben auch schon mal sein kann), konventionell inszeniert und viele Kurzszenen sind eventuell auch überflüssig, weil sie nirgendwo hinführen; dennoch aus meiner Sicht ein passabler Film, eben auch, weil er Eindrücke vom Leben auf Island vermittelt.

Mittwoch, 24. Juni 2026

Im Kino: The Death of Robin Hood

Michael Sarnoski's Film kommt als brutal-empathisches, im 13. Jahrhundert angesiedeltes Werk daher, das die letzten Monate des Volkshelden visualisiert. 

Zunächst lebt Robin Hood (Hugh Jackman) allein in karger Berglandschaft (gedreht in Irland). Besuch von Fremden macht ihn misstrauisch, denn meist hat es dieser Besuch auf sein Leben abgesehen, Blutrache oft als Motiv. 

Er trifft dann einen seiner alten Gefährten (Bill Skarsgård), der eine Rechnung begleichen, Frau und Tochter zurückgewinnen will. Schwer verletzt in dem Gemetzel um den von ihnen angegriffenen Hof wird der Protagonist von seinem Gefährten per Lastkarren und Boot auf eine landnahe Klosterinsel gebracht und von der schönen Priorin (Jodie Comer) gepflegt. 

Später soll er im Klostergarten mithelfen, und er kümmert sich um die im Kampf befreite, traumatisierte Tochter seines Gefährten, der bald an Lepra stirbt, ihm aber vorher noch ein düsteres Detail aus dem Leben der Priorin erzählt, in das er verwickelt ist. Es gibt hier berührende Szenen. Später, nachdem er ihr seine Missetaten gebeichtet hat, wird ihn die Priorin auf eigenen Wunsch töten. 

Robin Hood, dessen Existenz historisch nicht verbürgt ist, wurde schon im 15. Jahrhundert als „berühmter Mörder“ bezeichnet. Deshalb ist auch eine finstere Interpretation seiner Figur erlaubt. Darum geht es in diesem Film jedoch auch, Gnade, Sühne für seine gewalttätigen Missetaten. 

Der Film gefiel atmosphärisch und in seinen Settings ganz gut. Eine gute Kritik ist beispielsweise bei artechock zu finden.

Montag, 25. Mai 2026

Im Kino: Rose

Markus Schleinzer's Schwarz-Weiß-Film spielt Mitte des 17. Jahrhunderts kurz nach Ende des 30-jährigen Krieges irgendwo in Deutschland. Eine Frau (Sandra Hüller) gibt sich als Mann aus, nahm so auch am Krieg teil, geht mit einer Urkunde, die sie bei einem toten Soldaten fand, in ein Dorf, um Land in Besitz zu nehmen und einen zerfallenen Hof wieder aufzubauen. 

Das funktioniert zunächst ganz gut, zumal sie einen wütenden Bären erschießen kann und damit eine Dorfbewohnerin rettet, womit ihr Ansehen stark steigt. Doch ihr Land ist zu klein und sie will wachsen. In einem Vertrag verpflichtet sie sich, eine Tochter des Großbauern gegen neues Land zu ehelichen. Probleme sind natürlich absehbar, doch ihre Frau verrät das Geheimnis nicht. 

Aufgrund eines medizinischen Notfalls, wohl ein allergischer Schock, bei dem sie entkleidet wird, wird ihr Geheimnis dennoch gelüftet, und sie muss mit ihrer Frau in den Wald fliehen. Sie werden gefasst, beide erhalten die Todesstrafe. 

Sandra Hüller brilliert, ansonsten ist der Film wahrscheinlich auch mangels finanzieller Mittel nicht ganz so einnehmend inszeniert, eher minimalistisch sowohl in Dramaturgie, Dialogen, als auch in den Schauplätzen. 

Ansehen kann man den Film schon, zumal es um Selbstbestimmung und Selbstermächtigung der Frau in düsteren Zeiten geht, in denen „Frau“ nicht viel zu melden hatte. Im Übrigen gibt es wohl historische Belege, die ähnlich gelagerte Fälle beschreiben. 

Vieles spielt sich im Off ab, Emotionen und Beziehungen werden nur angedeutet. So treffen die Schicksalsschläge, die sie erleiden muss, die Zuschauenden weniger hart als sie es könnten“, meint critic. Das stimmt.

Dienstag, 19. Mai 2026

Im Kino: Paris Murder Mystery

Die Regisseurin Rebecca Zlotowski erzählt in ihrem Film von einer Psychotherapeutin (Jodie Foster), die mental aus der Bahn geworfen wird, nachdem ihr ein Kunde aufgrund eines unmittelbaren Therapieerfolges bei einer Hypnotiseurin erläutert, unfähig zu sein und eine weitere Kundin tot aufgefunden wird, die anscheinend mit ihren Medikamentverschreibungen Suizid begangen hat.

Sie selbst glaubt jedoch nicht an einen Suizid, sondern an einen Mord im Familienkreis und stellt zusammen mit ihrem Ex-Mann Nachforschungen an. Nebenbei kommen sie sich auch wieder näher. 

Der Film ist recht unterhaltsam bis gemütlich inszeniert, arbeitet mit Rückblenden, wirkt aber auch „abgehoben-konstruiert“ und lebt natürlich von seiner Hauptdarstellerin. Der große Wurf ist es nicht, aber bestimmt perfekt für Senior*innen.

Eine „Erzählung über die Angst vor schmerzhafter Selbsteinsicht und deren Folgen“, meint kino-zeit.

Freitag, 17. April 2026

Im Kino: Romería – Das Tagebuch meiner Mutter

Carla Simón's Film erzählt von einer jungen Frau, die nicht bei ihren Eltern in aufgewachsen ist und in Barcelona wohnt. Doch sie hat recherchiert, möchte ihre Verwandten in Vigo kennen lernen und macht sich auf in den Nordwesten. 

Sie wird dort herzlich empfangen, doch nur nach und nach offenbart sich die von den Verwandten auch widersprüchlich wiedergegebene düstere Geschichte ihrer Eltern und wird in Rückblenden aus alten Filmen und Fotos bruchstückhaft beleuchtet. 

Es handelt sich um ein Drogen-/Aids-Drama, das vor allem mit authentisch wirkenden spanischen Familienszenen aufwarten kann, aber nur wenige inhaltlich-dramaturgische Höhepunkte vor allem im letzten Drittel des Films hat. 

Die Regisseurin erkundet „auch die Entstehung filmischer Erinnerungen oder Annäherungen an eine facettenreiche, bruchstückhafte, nie ganz begreifliche Realität“, stellt kino-zeit fest.

Mittwoch, 8. April 2026

Im Kino: La Grazia

Paolo Sorrentino erzählt von einem fiktiven Präsidenten in den letzten Monaten seiner Amtszeit. Er muss/sollte noch ein paar Entscheidungen treffen, zögert lange. Er bewegt sich meist in seinem Regierungspalast in gediegenem Ambiente, genießt den Blick über Rom, hat kaum Bedienstete, jedoch seine Tochter ist seine rechte Hand, manchmal redet er mit dem Papst und anderen Vertrauten. 

Über Kopfhörer hört er Hip Hop. Und er hat psychische Probleme mit seiner vor Jahrzehnten verstorbenen Frau, die ihn (angeblich) betrogen hat, ohne dass er jemals den Namen des Liebhabers erfahren hat. Melancholie und Selbstzweifel umwehen den Mann. 

Ich war mir nicht sicher, ob mich dies interessiert und ob ich diesen Film anschauen soll, aber Andere fanden ihn sehr gut. Insgesamt war der Film in Ordnung, wenn auch etwas zu lang. 

Das Ergebnis ist ein visuell beeindruckender, ambitionierter Film, der gelegentlich berührt, dessen Umsetzung jedoch uneinheitlich bleibt“, meint kino-zeit.

Montag, 6. April 2026

Im Kino: Alpha

Es wurde Zeit, mal einen Film von Julia Ducournau zu sehen. An ihre beiden ersten Filme „Raw“ (lief hierzulande nicht im Kino) und „Titane“ habe ich mich noch nicht herangetraut. 

Ihr drittes Werk „Alpha“ ist schon ziemlich eigentümlich. Angeblich angesiedelt in Le Havre in den 1980er Jahren, handelt dieser Film von Drogen, einer Seuche und einer Mutter-Tochter-Onkel-Beziehung. 

Es ist jedoch auch Phantastik, denn diese Seuche, verursacht häufig durch Blutübertragung wie Aids, lässt die Menschen langsam versteinern, im Tod wie vollendete Marmorstatuen aussehend, vorher werden einzelne Körperteile befallen. 

Die Frau hat Probleme mit ihrer Tochter, denn die lässt sich ein Tattoo machen trotz der gesundheitlichen Risiken, und mit ihrem Bruder, der Junkie ist und von ihr zusammen mit der Tochter in der Wohnung untergebracht werden muss. 

Dadurch, dass die Frau als Ärztin im Krankenhaus arbeitet, sieht sie (und der Zuschauer) Einiges von der Seuche und dem Verfall der betroffenen Menschen. 

Mir schien der Film nicht chronologisch zu verlaufen, aber vielleicht vermischen sich hier auch bebilderte Ängste und Realität. 

Im Ergebnis ist es ein stilistisch interessanter Film mit auch gelungenem Soundtrack mit Songs von Nick Cave und Portishead und starken schauspielerischen Leistungen. 

Der Film „bietet das für Ducournau typische diskursive wie affektgeladene Körperkino, ist allerdings auch ihr bislang ruhigster und melancholischster Film“, meint epd-film.

Freitag, 3. April 2026

Im Kino: Blue Moon

Nach „Nouvelle Vague“ ist dies bereits Richard Linklater's zweiter Film, der hierzulande in diesem Jahr in die Kinos kommt. Auch hier geht es um die Rekonstruktion von Zeitgeschichte.

Der Film spielt 1943 weitgehend in einer New Yorker Bar, in der sich Musical-Größen die Hand reichen. Dabei ist auch ein ehemals erfolgreicher Musical-Texter (Ethan Hawke in der Rolle des Lorenz Hart), der hier mit dem Bar-Personal eher die Außenseiterrolle einnimmt, während die Macher und Gäste eines Musicals gerade nach erfolgreicher Uraufführung in den Laden strömen. 

Der Texter war wegen Alkohol- und anderen Problemen an diesem Musical-Erfolg seines früheren Partners nicht direkt beteiligt und schwadroniert endlos mit diversen Leuten, sowohl mit seinem ehemaligen Partner als auch mit dem Bar-Personal und einer schönen, angehenden Schauspielerin (Margaret Qualley), in die er unglücklich verliebt ist. 

Dieser Film gefiel mir wohl etwas besser als „Nouvelle Vague“, da die Gespräche deutlich intensiver sind. Ansonsten ist es ein auch melancholischer Film über den Niedergang eines Mannes, der an diesem deprimierenden Abend auch wieder dem Alkohol zuspricht, obwohl er behauptet, mit dem Trinken aufgehört zu haben. 

Ein elegantes Kummerspiel über Partnerschaften aller Art“, resümiert critic.

Montag, 23. März 2026

Im Kino: Gelbe Briefe

İlker Çatak's Drama erzählt lt. Wikipediavon einem Künstlerpaar aus der türkischen Theaterszene, das aufgrund staatlicher Willkür und anscheinend regierungskritischer Äußerungen seine Arbeit verliert. Daraufhin muss es seine Werte hinterfragen und moralische Grenzen neu definieren. In der Folge werden die Ehe sowie die Beziehung zur jugendlichen Tochter auf eine harte Probe gestellt“. 

Der Film gewann den Goldenen Bären der Filmfestspiele in Berlin, aber wie das immer so ist, besteht bei Filmen, die sich mit Realitäten in autokratischen Regimen befassen, der Verdacht, dass politische Gründe eine Rolle bei der Auszeichnung gespielt haben. 

Der Film verschweigt nicht, in Berlin und Hamburg gedreht worden zu sein, obwohl er in Ankara und Istanbul spielt. Aber es wäre gar nicht mal so groß aufgefallen.

Schauspielerisch überzeugen die Darsteller*innen und auch die Darstellung der Geschehnisse, die kurzweilig in Szene gesetzt sind, aber ob die geradlinig inszenierte Geschichte aus cineastisch-stilistischen Gründen auch den Goldenen Bären verdient, kann hinterfragt werden.

Übergriffige politische Bestrebungen, die Opposition auszuschalten oder zu schwächen, gibt es im Übrigen auch in Deutschland, wie kürzlich medienwirksam an der in mancher Hinsicht absurd wirkenden staatlichen Einflussnahme auf die Auszeichnung von deutschen Buchläden zu erkennen war.

Montag, 16. März 2026

Im Kino: Nouvelle Vague

Richard Linklater widmet sich in seinem Film einer französischen Stilrichtung im Kino, die mit biederen Drehbüchern und vorhersehbaren Plots brechen wollte. Der Film zeigt die Dreharbeiten bei Jean-Luc Godard's erstem Erfolgsfilm „Außer Atem“ (1960), bei dem sehr viel improvisiert wurde und manchmal auch Drehtage ausfielen, weil dem Regisseur nicht einfiel, was wie gedreht werden soll. 

Der in Schwarzweiß gedrehte Film wirkt sehr authentisch bezüglich des rekonstruierten Ambientes, des Zeitgefühls und der in Szene gesetzten Drehbedingungen. Zoey Deutch in der Rolle der Jean Seberg gefiel mir besonders. 

Diese Liebes­er­klärung an das Kino mag nicht immer in die Tiefe gehen, aber sie trifft offenbar einen Nerv“, ist bei artechock nachzulesen. 

Ich weiß übrigens nicht, ob ich irgendeinen Godard-Film kenne bzw. mal vor langer Zeit im TV gesehen haben könnte.

Samstag, 7. März 2026

Im Kino: Father Mother Sister Brother

Der Regisseur Jim Jarmusch ist mittlerweile auch schon deutlich über 70. Seine letzten Filme wie „Paterson“ (2016) oder „The Dead Don't Die“ (2019) fand ich schon ziemlich Spitze. Sein neuer Film kommt da vielleicht nicht so ganz ran, erzählt er doch in drei Episoden von eher wenig erfreulichen kurzen Kinder-Eltern-Besuchen. 

In der ersten Episode besuchen Sohn und Tochter ihren an einem abgelegenen See allein lebenden Vater (Tom Waits) in den Bergen New Jerseys. Sie wissen, dass er wohl knapp bei Kasse ist und bringen auch Vorräte mit. Ansonsten bleiben ihre Gespräche ziemlich oberflächlich, sie haben sich wohl alle ziemlich auseinandergelebt. 

In der zweiten Episode besuchen die zwei Töchter die Mutter in Dublin, die als erfolgreiche Schriftstellerin viel Wert auf Etikette legt. Auch sie sind dort eher selten zu Besuch und versuchen ansonsten ihr eigenes Leben zu leben. Viel zu sagen haben sie sich auch nicht. 

In der dritten Episode besuchen Sohn und Tochter die Wohnung ihrer Eltern, die kürzlich bei einem Unfall ums Leben kamen, in Paris, um die Wohnungsübergabe zu regeln. Anschließend fahren sie noch zu dem Lagerraum, in dem das ganze Hab und Gut aus der Wohnung verpackt und gestapelt ist. 

Insgesamt erzählt der Film relativ analytisch-nüchtern also vom Auseinanderleben und Auseinanderfallen familiärer Strukturen, wenn die Kinder groß sind. 

Leider etwas arg bemüht lakonisch“, meint critic. Ansehbar ist der Film trotzdem.

Freitag, 27. Februar 2026

Im Kino: Sie glauben an Engel, Herr Drowak?

In einer kafkaesken Szenerie zwischen unaufgeräumter und mit Schnaps- und Weinflaschen vollgestellter Wohnung und einer Platten-Hochhaussiedlung inszeniert Nicolas Steiner ein bizarres Sozialdrama um einen älteren renitenten „Leistungsempfänger“, der vom Amt zu einem Kurs im kreativen Schreiben aufgefordert wird und diesen Kurs als Spezialbehandlung von einer jungen Studentin (Luna Wedler) in seiner Wohnung verabreicht bekommt. 

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, überhaupt die Wohnung durch das komplett vermüllte Treppenhaus zu erreichen und hineingelassen zu werden, funktioniert das zunächst ganz gut. Die Studentin setzt dabei neben ihren Charme auch kleine und lebensgroße Puppen ein. 

Gefangen zwischen Erinnerungen an seine bedeutendste Liebesbeziehung und paranoiden Wahnvorstellungen setzt sich der Mann tatsächlich an die alte  Schreibmaschine und beginnt zu schreiben. Doch dann macht die Studentin einen Fehler, den der Mann als Vertrauensbruch bewertet und der schon die damalige Liebesbeziehung zerstört hatte. Der Mann dreht durch, und damit geht die ganze „Maßnahme“ den Bach runter. 

Der Film zeigt die Gegenwart in Schwarzweiß und die Erinnerungen in Farbe. Wahnvorstellungen in Form großer menschlicher Ratten, die ihn bedrohen, werden auch gezeigt. Insgesamt hat der eigenwillige Film so Einiges an surrealen und skurrilen Momenten in desaströser Szenerie zu bieten und kann auch schauspielerisch überzeugen.

Der Film „ist ein flammendes Plädoyer für Empathie und eine energische Aufforderung, die Ausgestoßenen, die Menschen, die aus dem System gefallen sind, nicht einfach zu vergessen“, sagt kino-zeit.

Freitag, 23. Januar 2026

Im Kino: Silent Friend

Ildikó Enyedi's Film spielt im Botanischen Garten von Marburg und kreist um einen alten Gingko-Baum. Erzählt werden drei Episoden, die in den Jahren 1908/1972/2020 spielen. 

Der Film hat durch seine langsame Erzählweise, seinem Soundtrack und in vielen Bildern einen mystisch-meditativen Touch. Man sieht viele Tiere und Pflanzen, erhält fragmentarische Einblicke über die erste zugelassene Studentin der Uni Marburg im Jahr 1908, die sich für Pflanzen interessierte und eine fotografische Ausbildung machte, über eine Studentin, die im Jahr 1972 das geheime Leben ihrer Geranie erforschte und im Garten mit anderen Hasch rauchte sowie über einen Gastprofessor aus Hongkong, der die Gehirnaktivitäten von Babies erforscht und dann auch auf den Gingko-Baum aufmerksam wird und diesen verkabelt. 

Der Film ist lang und aus meiner Sicht auch langatmig erzählt. Sein Film "Körper und Seele" (2017) gefiel mir da deutlich besser. 

Man kann das wohl auch anders sehen, immerhin ist es nach dem Kölner Kritiker-Spiegel einer der fünf herausragenden Filme des Monats Januar. 

Es ist ein Kino der Wahrnehmung, das den Zuschauer nicht mit Handlung überfällt, sondern ihn einlädt, langsamer zu werden, genauer hinzusehen“, meint kino-zeit

Mittwoch, 14. Januar 2026

Im Kino: Therapie für Wikinger

Der Film des dänischen Regisseurs Anders Thomas Jensen ist eine Art psychotisch gewalttätig-skurril-sentimentales Hinterwäldler-Drama im europäisch adaptierten Tarantino-Stil. 

Im Kern handelt der Film von zwei Brüdern, von denen der eine bei der Mutter lebt und der andere nach 15 Jahren Gefängnis wegen eines Banküberfalls gerade entlassen wurde. Vor 15 Jahren hatte er seinen Bruder gebeten, das geraubte Geld in der Nähe des Elternhauses zu verstecken. Doch dieser erinnert sich nicht bzw. will sich nicht erinnern, hat eine Persönlichkeitsstörung, hält sich für John Lennon. 

Dennoch brechen die Brüder auf zum Elternhaus, in dem jetzt ein anderes Pärchen wohnt. Das wie eine Hexenvilla aussehende alte Haus liegt einsam gelegen in einem Bergwald. Zu der Truppe gesellen sich weitere Psychos mit speziellen Beatles-Persönlichkeitsstörungen, um eine neue Beatles-Band ins Leben zu rufen. Und irgendwann trifft noch der Ex-Kumpan als gewalttätiger Psycho ein, der das Geld ebenfalls haben will. 

In Rückblicken erzählt der Film auch von den dysfunktionalen Familienverhältnissen und dem verschwundenen Vater, wodurch deutlich wird, dass es im Film um Traumata und deren Verarbeitung geht. 

Die Schatzsuche wird zum Bild für Erinnerung und Versöhnung, das alberne Rollenspiel zum Vehikel für den Umgang mit Traumata“, resümiert kino-zeit

Es ist durchaus auch mal skurril-witzig, was man hier sieht, besonders in der ersten Hälfte des Film. Dennoch, sicherlich ist das kein Film für „den guten Geschmack“. Ziemlich gut gemacht und unterhaltsam ist er dennoch, auch wenn er wahrscheinlich nicht das Niveau von „Men & Chicken“ (2015) erreicht. 

Erwähnen muss man noch den Prolog und den Epilog zum Film, die gelungene Wikinger-Sequenzen in Animationstechnik zeigen.

Freitag, 9. Januar 2026

Im Kino: Der Fremde

Der Roman „Der Fremde“ von Albert Camus ist Weltliteratur und wurde 1942 geschrieben. Er gilt als eines der Hauptwerke der Philosophie des Existentialismus und Absurdismus. 

François Ozon's Verfilmung ist nicht die erste. Bei Luchino Visconti's Verfilmung von 1967 weiß ich jedoch nicht, ob ich sie jemals gesehen habe. 

Wie auch immer, nach dem Kölner Kritikerspiegel ist es einer der fünf herausragenden Filme des Kinomonats Januar 2026. Ein eindeutiges Votum gibt es in diesem Monat nicht. 

Es ist vergleichsweise schwere Kost. Der Film spielt im algerischen, damals französisch besetzten algerischen Oran in den 1930er Jahren. Er handelt von einem französischstämmigen Mann, dessen Mutter wenige Tage zuvor verstorben ist, der eine Freundin hat und der nach einem Streit, in dem er selbst nur Nebenfigur war, einen Araber erschießt und zum Tode verurteilt wird, da er sich nicht angemessen verteidigen will und obwohl das Urteil in Anbetracht des rassistischen Justizsystems ziemlich unwahrscheinlich war. 

Besonders begeistert hat mich der Film nicht. Der Protagonist agiert in Anbetracht seiner Lebensumstände insgesamt nicht nachvollziehbar. Vermutlich ist das schon in der Romanvorlage so. 

Die SW-Fotografie verleiht dem Drama das Aussehen eines vergessenen Meisterwerks aus den fünfziger Jahren“, meint u.a. kriminalakte.

Mittwoch, 7. Januar 2026

Im Kino: Sorry, Baby

Sehr einfühlsam mit hohen Empathiegrad erzählt die US-amerikanische Regisseurin und Hauptdarstellerin Eva Victor in ihrem Debüt-Film im ländlichen Massachusetts von einer jungen, an der Uni erfolgreichen Frau, ihrer Freundin, ihren Sex-Erfahrungen und der Verarbeitung eines traumatischen sexuellen Übergriffs und ihrer hieraus resultierenden Ängste und Depressionen mit Hilfe ihrer Freundinnen und Bekannten sowie eines aufgefundenen Kätzchens. 

Es gibt diverse Kapitel im Film, die vor und nach dem sexuellen Übergriff spielen, aber keiner Chronologie folgen. 

Es stimmt schon, dieser Film lebt vor allem von seinen Dialogen und den Gesprächsszenen. 

Ein Film der subtilen Momente, der feinen Emotionen“, sagt kino-zeit. Stimmt, deshalb ist er auch ziemlich gut.

Nach dem Kölner Kritikerspiegel ist es einer der fünf herausragenden Filme des Kinomonats Januar 2026. Ein eindeutiges Votum gibt es in diesem Monat nicht. 

Samstag, 20. Dezember 2025

Im Kino: Rückkehr nach Ithaka

Von Homer ist nicht sicher, ob er überhaupt gelebt hat. Die Odyssee ist jedoch ein berühmtes Werk der Antike. Uberto Pasolini's Film erzählt von wenigen Wochen, in denen Odysseus (Ralph Fiennes) etwa 20 Jahre nach Ende des Trojanischen Krieges an die Küste seiner Heimatinsel Ithaka gespült wird und nach seiner Regeneration incognito langsam wieder nach der Macht greift. 

Penelope (Juliette Binoche), seine treue biedere Ehefrau und Königin residiert in einer Festung über dem Meer und hat in den vielen Jahren zahlreiche Freier hingehalten, indem sie vorgab, erst ein Totentuch fertigstellen zu müssen. Doch sie zerstörte es nachts immer wieder. Die Freier, die auch in der Burg leben und den König schon lange für tot halten, werden immer aggressiver. 

Die Geschichte beginnt sehr langsam, wirkt intensiv erzählt, hat Tiefe. Traumata des Helden, der zunächst als Bettler auftritt, spielen eine Rolle. Und Penelope erkennt ihn langer Zeit gar nicht, als err auf der Burg erscheint. 

Der Film lebt insbesondere von seinen beiden Hauptdarsteller*innen, aber auch der Atmosphäre, die in den Landschaftsaufnahmen und dem einfachen Leben zur damaligen Zeit zum Ausdruck kommt. Bombast sieht man im Film nicht, gleichwohl, wer die Geschichte kennt, kann ahnen, dass sie gewalttätig wird; denn gegen Ende verkündet die Königin, dass derjenige, der mit Odysseus' Bogen das aufgestellte Ziel trifft, ihr Gemahl werden kann. Alle Freier versagen, bekommen den Bogen nicht mal gespannt, bis ein „Bettler“ antritt. Ab 16. 

Dem Regisseur „gelingt ein stiller, eindringlicher Film, der den Mythos als Grundlage nutzt, aber vor allem von Menschlichkeit erzählt“, sagt kino-zeit. Ein sehr schöner Film, fand ich.