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Freitag, 17. April 2026

Im Kino: Romería – Das Tagebuch meiner Mutter

Carla Simón's Film erzählt von einer jungen Frau, die nicht bei ihren Eltern in aufgewachsen ist und in Barcelona wohnt. Doch sie hat recherchiert, möchte ihre Verwandten in Vigo kennen lernen und macht sich auf in den Nordwesten. 

Sie wird dort herzlich empfangen, doch nur nach und nach offenbart sich die von den Verwandten auch widersprüchlich wiedergegebene düstere Geschichte ihrer Eltern und wird in Rückblenden aus alten Filmen und Fotos bruchstückhaft beleuchtet. 

Es handelt sich um ein Drogen-/Aids-Drama, das vor allem mit authentisch wirkenden spanischen Familienszenen aufwarten kann, aber nur wenige inhaltlich-dramaturgische Höhepunkte vor allem im letzten Drittel des Films hat. 

Die Regisseurin erkundet „auch die Entstehung filmischer Erinnerungen oder Annäherungen an eine facettenreiche, bruchstückhafte, nie ganz begreifliche Realität“, stellt kino-zeit fest.

Mittwoch, 8. April 2026

Im Kino: La Grazia

Paolo Sorrentino erzählt von einem fiktiven Präsidenten in den letzten Monaten seiner Amtszeit. Er muss/sollte noch ein paar Entscheidungen treffen, zögert lange. Er bewegt sich meist in seinem Regierungspalast in gediegenem Ambiente, genießt den Blick über Rom, hat kaum Bedienstete, jedoch seine Tochter ist seine rechte Hand, manchmal redet er mit dem Papst und anderen Vertrauten. 

Über Kopfhörer hört er Hip Hop. Und er hat psychische Probleme mit seiner vor Jahrzehnten verstorbenen Frau, die ihn (angeblich) betrogen hat, ohne dass er jemals den Namen des Liebhabers erfahren hat. Melancholie und Selbstzweifel umwehen den Mann. 

Ich war mir nicht sicher, ob mich dies interessiert und ob ich diesen Film anschauen soll, aber Andere fanden ihn sehr gut. Insgesamt war der Film in Ordnung, wenn auch etwas zu lang. 

Das Ergebnis ist ein visuell beeindruckender, ambitionierter Film, der gelegentlich berührt, dessen Umsetzung jedoch uneinheitlich bleibt“, meint kino-zeit.

Montag, 6. April 2026

Im Kino: Alpha

Es wurde Zeit, mal einen Film von Julia Ducournau zu sehen. An ihre beiden ersten Filme „Raw“ (lief hierzulande nicht im Kino) und „Titane“ habe ich mich noch nicht herangetraut. 

Ihr drittes Werk „Alpha“ ist schon ziemlich eigentümlich. Angeblich angesiedelt in Le Havre in den 1980er Jahren, handelt dieser Film von Drogen, einer Seuche und einer Mutter-Tochter-Onkel-Beziehung. 

Es ist jedoch auch Phantastik, denn diese Seuche, verursacht häufig durch Blutübertragung wie Aids, lässt die Menschen langsam versteinern, im Tod wie vollendete Marmorstatuen aussehend, vorher werden einzelne Körperteile befallen. 

Die Frau hat Probleme mit ihrer Tochter, denn die lässt sich ein Tattoo machen trotz der gesundheitlichen Risiken, und mit ihrem Bruder, der Junkie ist und von ihr zusammen mit der Tochter in der Wohnung untergebracht werden muss. 

Dadurch, dass die Frau als Ärztin im Krankenhaus arbeitet, sieht sie (und der Zuschauer) Einiges von der Seuche und dem Verfall der betroffenen Menschen. 

Mir schien der Film nicht chronologisch zu verlaufen, aber vielleicht vermischen sich hier auch bebilderte Ängste und Realität. 

Im Ergebnis ist es ein stilistisch interessanter Film mit auch gelungenem Soundtrack mit Songs von Nick Cave und Portishead und starken schauspielerischen Leistungen. 

Der Film „bietet das für Ducournau typische diskursive wie affektgeladene Körperkino, ist allerdings auch ihr bislang ruhigster und melancholischster Film“, meint epd-film.

Freitag, 3. April 2026

Im Kino: Blue Moon

Nach „Nouvelle Vague“ ist dies bereits Richard Linklater's zweiter Film, der hierzulande in diesem Jahr in die Kinos kommt. Auch hier geht es um die Rekonstruktion von Zeitgeschichte.

Der Film spielt 1943 weitgehend in einer New Yorker Bar, in der sich Musical-Größen die Hand reichen. Dabei ist auch ein ehemals erfolgreicher Musical-Texter (Ethan Hawke in der Rolle des Lorenz Hart), der hier mit dem Bar-Personal eher die Außenseiterrolle einnimmt, während die Macher und Gäste eines Musicals gerade nach erfolgreicher Uraufführung in den Laden strömen. 

Der Texter war wegen Alkohol- und anderen Problemen an diesem Musical-Erfolg seines früheren Partners nicht direkt beteiligt und schwadroniert endlos mit diversen Leuten, sowohl mit seinem ehemaligen Partner als auch mit dem Bar-Personal und einer schönen, angehenden Schauspielerin (Margaret Qualley), in die er unglücklich verliebt ist. 

Dieser Film gefiel mir wohl etwas besser als „Nouvelle Vague“, da die Gespräche deutlich intensiver sind. Ansonsten ist es ein auch melancholischer Film über den Niedergang eines Mannes, der an diesem deprimierenden Abend auch wieder dem Alkohol zuspricht, obwohl er behauptet, mit dem Trinken aufgehört zu haben. 

Ein elegantes Kummerspiel über Partnerschaften aller Art“, resümiert critic.

Montag, 23. März 2026

Im Kino: Gelbe Briefe

İlker Çatak's Drama erzählt lt. Wikipediavon einem Künstlerpaar aus der türkischen Theaterszene, das aufgrund staatlicher Willkür und anscheinend regierungskritischer Äußerungen seine Arbeit verliert. Daraufhin muss es seine Werte hinterfragen und moralische Grenzen neu definieren. In der Folge werden die Ehe sowie die Beziehung zur jugendlichen Tochter auf eine harte Probe gestellt“. 

Der Film gewann den Goldenen Bären der Filmfestspiele in Berlin, aber wie das immer so ist, besteht bei Filmen, die sich mit Realitäten in autokratischen Regimen befassen, der Verdacht, dass politische Gründe eine Rolle bei der Auszeichnung gespielt haben. 

Der Film verschweigt nicht, in Berlin und Hamburg gedreht worden zu sein, obwohl er in Ankara und Istanbul spielt. Aber es wäre gar nicht mal so groß aufgefallen.

Schauspielerisch überzeugen die Darsteller*innen und auch die Darstellung der Geschehnisse, die kurzweilig in Szene gesetzt sind, aber ob die geradlinig inszenierte Geschichte aus cineastisch-stilistischen Gründen auch den Goldenen Bären verdient, kann hinterfragt werden.

Übergriffige politische Bestrebungen, die Opposition auszuschalten oder zu schwächen, gibt es im Übrigen auch in Deutschland, wie kürzlich medienwirksam an der in mancher Hinsicht absurd wirkenden staatlichen Einflussnahme auf die Auszeichnung von deutschen Buchläden zu erkennen war.

Montag, 16. März 2026

Im Kino: Nouvelle Vague

Richard Linklater widmet sich in seinem Film einer französischen Stilrichtung im Kino, die mit biederen Drehbüchern und vorhersehbaren Plots brechen wollte. Der Film zeigt die Dreharbeiten bei Jean-Luc Godard's erstem Erfolgsfilm „Außer Atem“ (1960), bei dem sehr viel improvisiert wurde und manchmal auch Drehtage ausfielen, weil dem Regisseur nicht einfiel, was wie gedreht werden soll. 

Der in Schwarzweiß gedrehte Film wirkt sehr authentisch bezüglich des rekonstruierten Ambientes, des Zeitgefühls und der in Szene gesetzten Drehbedingungen. Zoey Deutch in der Rolle der Jean Seberg gefiel mir besonders. 

Diese Liebes­er­klärung an das Kino mag nicht immer in die Tiefe gehen, aber sie trifft offenbar einen Nerv“, ist bei artechock nachzulesen. 

Ich weiß übrigens nicht, ob ich irgendeinen Godard-Film kenne bzw. mal vor langer Zeit im TV gesehen haben könnte.

Samstag, 7. März 2026

Im Kino: Father Mother Sister Brother

Der Regisseur Jim Jarmusch ist mittlerweile auch schon deutlich über 70. Seine letzten Filme wie „Paterson“ (2016) oder „The Dead Don't Die“ (2019) fand ich schon ziemlich Spitze. Sein neuer Film kommt da vielleicht nicht so ganz ran, erzählt er doch in drei Episoden von eher wenig erfreulichen kurzen Kinder-Eltern-Besuchen. 

In der ersten Episode besuchen Sohn und Tochter ihren an einem abgelegenen See allein lebenden Vater (Tom Waits) in den Bergen New Jerseys. Sie wissen, dass er wohl knapp bei Kasse ist und bringen auch Vorräte mit. Ansonsten bleiben ihre Gespräche ziemlich oberflächlich, sie haben sich wohl alle ziemlich auseinandergelebt. 

In der zweiten Episode besuchen die zwei Töchter die Mutter in Dublin, die als erfolgreiche Schriftstellerin viel Wert auf Etikette legt. Auch sie sind dort eher selten zu Besuch und versuchen ansonsten ihr eigenes Leben zu leben. Viel zu sagen haben sie sich auch nicht. 

In der dritten Episode besuchen Sohn und Tochter die Wohnung ihrer Eltern, die kürzlich bei einem Unfall ums Leben kamen, in Paris, um die Wohnungsübergabe zu regeln. Anschließend fahren sie noch zu dem Lagerraum, in dem das ganze Hab und Gut aus der Wohnung verpackt und gestapelt ist. 

Insgesamt erzählt der Film relativ analytisch-nüchtern also vom Auseinanderleben und Auseinanderfallen familiärer Strukturen, wenn die Kinder groß sind. 

Leider etwas arg bemüht lakonisch“, meint critic. Ansehbar ist der Film trotzdem.

Freitag, 27. Februar 2026

Im Kino: Sie glauben an Engel, Herr Drowak?

In einer kafkaesken Szenerie zwischen unaufgeräumter und mit Schnaps- und Weinflaschen vollgestellter Wohnung und einer Platten-Hochhaussiedlung inszeniert Nicolas Steiner ein bizarres Sozialdrama um einen älteren renitenten „Leistungsempfänger“, der vom Amt zu einem Kurs im kreativen Schreiben aufgefordert wird und diesen Kurs als Spezialbehandlung von einer jungen Studentin (Luna Wedler) in seiner Wohnung verabreicht bekommt. 

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, überhaupt die Wohnung durch das komplett vermüllte Treppenhaus zu erreichen und hineingelassen zu werden, funktioniert das zunächst ganz gut. Die Studentin setzt dabei neben ihren Charme auch kleine und lebensgroße Puppen ein. 

Gefangen zwischen Erinnerungen an seine bedeutendste Liebesbeziehung und paranoiden Wahnvorstellungen setzt sich der Mann tatsächlich an die alte  Schreibmaschine und beginnt zu schreiben. Doch dann macht die Studentin einen Fehler, den der Mann als Vertrauensbruch bewertet und der schon die damalige Liebesbeziehung zerstört hatte. Der Mann dreht durch, und damit geht die ganze „Maßnahme“ den Bach runter. 

Der Film zeigt die Gegenwart in Schwarzweiß und die Erinnerungen in Farbe. Wahnvorstellungen in Form großer menschlicher Ratten, die ihn bedrohen, werden auch gezeigt. Insgesamt hat der eigenwillige Film so Einiges an surrealen und skurrilen Momenten in desaströser Szenerie zu bieten und kann auch schauspielerisch überzeugen.

Der Film „ist ein flammendes Plädoyer für Empathie und eine energische Aufforderung, die Ausgestoßenen, die Menschen, die aus dem System gefallen sind, nicht einfach zu vergessen“, sagt kino-zeit.

Freitag, 23. Januar 2026

Im Kino: Silent Friend

Ildikó Enyedi's Film spielt im Botanischen Garten von Marburg und kreist um einen alten Gingko-Baum. Erzählt werden drei Episoden, die in den Jahren 1908/1972/2020 spielen. 

Der Film hat durch seine langsame Erzählweise, seinem Soundtrack und in vielen Bildern einen mystisch-meditativen Touch. Man sieht viele Tiere und Pflanzen, erhält fragmentarische Einblicke über die erste zugelassene Studentin der Uni Marburg im Jahr 1908, die sich für Pflanzen interessierte und eine fotografische Ausbildung machte, über eine Studentin, die im Jahr 1972 das geheime Leben ihrer Geranie erforschte und im Garten mit anderen Hasch rauchte sowie über einen Gastprofessor aus Hongkong, der die Gehirnaktivitäten von Babies erforscht und dann auch auf den Gingko-Baum aufmerksam wird und diesen verkabelt. 

Der Film ist lang und aus meiner Sicht auch langatmig erzählt. Sein Film "Körper und Seele" (2017) gefiel mir da deutlich besser. 

Man kann das wohl auch anders sehen, immerhin ist es nach dem Kölner Kritiker-Spiegel einer der fünf herausragenden Filme des Monats Januar. 

Es ist ein Kino der Wahrnehmung, das den Zuschauer nicht mit Handlung überfällt, sondern ihn einlädt, langsamer zu werden, genauer hinzusehen“, meint kino-zeit

Mittwoch, 14. Januar 2026

Im Kino: Therapie für Wikinger

Der Film des dänischen Regisseurs Anders Thomas Jensen ist eine Art psychotisch gewalttätig-skurril-sentimentales Hinterwäldler-Drama im europäisch adaptierten Tarantino-Stil. 

Im Kern handelt der Film von zwei Brüdern, von denen der eine bei der Mutter lebt und der andere nach 15 Jahren Gefängnis wegen eines Banküberfalls gerade entlassen wurde. Vor 15 Jahren hatte er seinen Bruder gebeten, das geraubte Geld in der Nähe des Elternhauses zu verstecken. Doch dieser erinnert sich nicht bzw. will sich nicht erinnern, hat eine Persönlichkeitsstörung, hält sich für John Lennon. 

Dennoch brechen die Brüder auf zum Elternhaus, in dem jetzt ein anderes Pärchen wohnt. Das wie eine Hexenvilla aussehende alte Haus liegt einsam gelegen in einem Bergwald. Zu der Truppe gesellen sich weitere Psychos mit speziellen Beatles-Persönlichkeitsstörungen, um eine neue Beatles-Band ins Leben zu rufen. Und irgendwann trifft noch der Ex-Kumpan als gewalttätiger Psycho ein, der das Geld ebenfalls haben will. 

In Rückblicken erzählt der Film auch von den dysfunktionalen Familienverhältnissen und dem verschwundenen Vater, wodurch deutlich wird, dass es im Film um Traumata und deren Verarbeitung geht. 

Die Schatzsuche wird zum Bild für Erinnerung und Versöhnung, das alberne Rollenspiel zum Vehikel für den Umgang mit Traumata“, resümiert kino-zeit

Es ist durchaus auch mal skurril-witzig, was man hier sieht, besonders in der ersten Hälfte des Film. Dennoch, sicherlich ist das kein Film für „den guten Geschmack“. Ziemlich gut gemacht und unterhaltsam ist er dennoch, auch wenn er wahrscheinlich nicht das Niveau von „Men & Chicken“ (2015) erreicht. 

Erwähnen muss man noch den Prolog und den Epilog zum Film, die gelungene Wikinger-Sequenzen in Animationstechnik zeigen.

Freitag, 9. Januar 2026

Im Kino: Der Fremde

Der Roman „Der Fremde“ von Albert Camus ist Weltliteratur und wurde 1942 geschrieben. Er gilt als eines der Hauptwerke der Philosophie des Existentialismus und Absurdismus. 

François Ozon's Verfilmung ist nicht die erste. Bei Luchino Visconti's Verfilmung von 1967 weiß ich jedoch nicht, ob ich sie jemals gesehen habe. 

Wie auch immer, nach dem Kölner Kritikerspiegel ist es einer der fünf herausragenden Filme des Kinomonats Januar 2026. Ein eindeutiges Votum gibt es in diesem Monat nicht. 

Es ist vergleichsweise schwere Kost. Der Film spielt im algerischen, damals französisch besetzten algerischen Oran in den 1930er Jahren. Er handelt von einem französischstämmigen Mann, dessen Mutter wenige Tage zuvor verstorben ist, der eine Freundin hat und der nach einem Streit, in dem er selbst nur Nebenfigur war, einen Araber erschießt und zum Tode verurteilt wird, da er sich nicht angemessen verteidigen will und obwohl das Urteil in Anbetracht des rassistischen Justizsystems ziemlich unwahrscheinlich war. 

Besonders begeistert hat mich der Film nicht. Der Protagonist agiert in Anbetracht seiner Lebensumstände insgesamt nicht nachvollziehbar. Vermutlich ist das schon in der Romanvorlage so. 

Die SW-Fotografie verleiht dem Drama das Aussehen eines vergessenen Meisterwerks aus den fünfziger Jahren“, meint u.a. kriminalakte.

Mittwoch, 7. Januar 2026

Im Kino: Sorry, Baby

Sehr einfühlsam mit hohen Empathiegrad erzählt die US-amerikanische Regisseurin und Hauptdarstellerin Eva Victor in ihrem Debüt-Film im ländlichen Massachusetts von einer jungen, an der Uni erfolgreichen Frau, ihrer Freundin, ihren Sex-Erfahrungen und der Verarbeitung eines traumatischen sexuellen Übergriffs und ihrer hieraus resultierenden Ängste und Depressionen mit Hilfe ihrer Freundinnen und Bekannten sowie eines aufgefundenen Kätzchens. 

Es gibt diverse Kapitel im Film, die vor und nach dem sexuellen Übergriff spielen, aber keiner Chronologie folgen. 

Es stimmt schon, dieser Film lebt vor allem von seinen Dialogen und den Gesprächsszenen. 

Ein Film der subtilen Momente, der feinen Emotionen“, sagt kino-zeit. Stimmt, deshalb ist er auch ziemlich gut.

Nach dem Kölner Kritikerspiegel ist es einer der fünf herausragenden Filme des Kinomonats Januar 2026. Ein eindeutiges Votum gibt es in diesem Monat nicht. 

Samstag, 20. Dezember 2025

Im Kino: Rückkehr nach Ithaka

Von Homer ist nicht sicher, ob er überhaupt gelebt hat. Die Odyssee ist jedoch ein berühmtes Werk der Antike. Uberto Pasolini's Film erzählt von wenigen Wochen, in denen Odysseus (Ralph Fiennes) etwa 20 Jahre nach Ende des Trojanischen Krieges an die Küste seiner Heimatinsel Ithaka gespült wird und nach seiner Regeneration incognito langsam wieder nach der Macht greift. 

Penelope (Juliette Binoche), seine treue biedere Ehefrau und Königin residiert in einer Festung über dem Meer und hat in den vielen Jahren zahlreiche Freier hingehalten, indem sie vorgab, erst ein Totentuch fertigstellen zu müssen. Doch sie zerstörte es nachts immer wieder. Die Freier, die auch in der Burg leben und den König schon lange für tot halten, werden immer aggressiver. 

Die Geschichte beginnt sehr langsam, wirkt intensiv erzählt, hat Tiefe. Traumata des Helden, der zunächst als Bettler auftritt, spielen eine Rolle. Und Penelope erkennt ihn langer Zeit gar nicht, als err auf der Burg erscheint. 

Der Film lebt insbesondere von seinen beiden Hauptdarsteller*innen, aber auch der Atmosphäre, die in den Landschaftsaufnahmen und dem einfachen Leben zur damaligen Zeit zum Ausdruck kommt. Bombast sieht man im Film nicht, gleichwohl, wer die Geschichte kennt, kann ahnen, dass sie gewalttätig wird; denn gegen Ende verkündet die Königin, dass derjenige, der mit Odysseus' Bogen das aufgestellte Ziel trifft, ihr Gemahl werden kann. Alle Freier versagen, bekommen den Bogen nicht mal gespannt, bis ein „Bettler“ antritt. Ab 16. 

Dem Regisseur „gelingt ein stiller, eindringlicher Film, der den Mythos als Grundlage nutzt, aber vor allem von Menschlichkeit erzählt“, sagt kino-zeit. Ein sehr schöner Film, fand ich.

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Im Kino: Sentimental Value

Joachim Trier's Film ist nach dem Kritikerspiegel der Choices der Topfilm des Kinomonats Dezember. Er spielt zu einem erheblichen Teil in einer alten großzügigen Osloer Holzvilla. 

Die Frau, die dort zuletzt lebte, ist tot. Sie hatte zwei Töchter, die die Trauerfeier im Haus ausrichten. Zu der Feier kommt auch der lange geschieden und woanders lebende Vater. Und von da an beschreibt der Film mit hoher emotionaler Intensität eine problembeladene komplexe Vater-Töchter-Beziehung. 

Der Vater war mal ein bekannter Regisseur, doch seit 15 Jahren hat er keinen Film mehr gemacht. Er hat ein neues Drehbuch geschrieben, und er möchte wieder Kontakt zu seinen erwachsenen Töchtern. Auch soll seine ältere Tochter die Hauptrolle in dem Film spielen, später ein Enkel eine Nebenrolle. Die Töchter weigern sich zunächst, haben mit emotionalen Problemen zu kämpfen. 

Wie sich herausstellt, verarbeitet das Skript Familiengeschichte, insbesondere den Freitod der Mutter des Regisseurs, die sich im Haus erhängte. 

Ein Film, der mit emotionaler Präzision erzählt, wie es sich anfühlt, erwachsen zu werden, sich zu entfremden und dann zu versuchen – vielleicht zu spät – wieder zueinander zu finden“, meint kino-zeit

Das schauspielerische Ensemble des Films kann schon sehr überzeugen.

Dienstag, 9. Dezember 2025

Im Kino: Der geheimnisvolle Blick des Flamingos

Diego Céspedes' Film spielt in einer kleinen Bergbau-Siedlung in der Atacama-Wüste irgendwo in Chile im Jahr 1982. 

In einem Haus dort leben (merkwürdigerweise) Transvestiten. Sie betreiben dort eine Bar und eine Bühne für Travestieshows. 

Ein Mädchen in dieser queeren Wahlfamilie steht im Zentrum der Geschichte, die sich um eine merkwürdige Krankheit (Aids, ohne beim Namen genannt zu werden), Solidarität, Liebe, Ansteckung, Mord, Trauer und Tod dreht. 

Als Coming-of-Age-Story schildert das Werk, wie sich ein junger Mensch mit obskuren Theorien und mit Vorurteilen in seinem Umfeld beschäftigen muss“, meint kino-zeit

Der manchmal poetische Film ist mitunter etwas merkwürdig, auch sperrig und wirkt, als wäre er damals entstanden.

Donnerstag, 4. Dezember 2025

Im Kino: Im Schatten des Orangenbaums

Cherien Dabis' Palästina-Film erzählt eine palästinensische Familiengeschichte, die kurz vor Gründung des israelischen Staates 1948 beginnt und bis ins Jahr 2022 reicht. Es ist eine Geschichte über Bedrohung, Gewalt, Schikane/Erniedrigung, Vertreibung, Flüchtlingslager, Tod und Auswanderung. 

Während der Film in seiner ersten Hälfte noch Familienleben mit kleinen Kindern unter prekären Verhältnissen mit ab und zu einschlagenden Granaten zeigt, geht es im düsteren dritten Viertel des Films um ethische Fragen in Zusammenhang mit Organspenden, nachdem ein Sohn während einer Demonstration im Westjordanland durch einen Kopfschuss schwer verletzt wird, nach Tagen in ein israelisches Krankenhaus überführt werden muss und als Folge der Hirnblutung für hirntot erklärt wird. 

Der emotional intensiv wirkende Film nimmt konsequent die Perspektive der palästinensischen Zivilbevölkerung am Beispiel einer Familie ein. Nach allem, was ich so im Laufe der Jahrzehnte von den ewigwährenden Konflikten dort mitbekommen habe, ist das schon exemplarisch so richtig dargestellt. Ungeachtet dessen gab und gibt es palästinensische Gegengewalt, die nicht thematisiert wird, aber auch nicht thematisiert werden muss, wenn die Familie nichts damit zu tun hat, sondern nur die Auswirkungen der israelischen Gegengewalt zu spüren bekommt. 

Durch die komplex gezeichneten Figuren, die voller Angst sind und dennoch die Hoffnung nicht aufgeben wollen, wird Im Schatten des Orangenbaums zu einem mitreißenden Film“, sagt kino-zeit.

Mittwoch, 26. November 2025

Im Kino: Ein schöner Ort

Als „eine rätselhafte Untergangsallegorie“ bezeichnet artechock den Film von Katharina Huber, die in Locarno damit einen Nachwuchs-Regie-Filmpreis gewann.

Keine Ahnung, was dort im Film genau passiert, die Personen, zwei jüngere Frauen im Vordergrund und einige andere Dorfbewohner, hängen so rum, hören Radio von einem bevorstehenden Raketenstart und kryptische Botschaften, essen und trinken, gehen im Wald spazieren, liegen im Bett oder in der Badewanne oder auf einer Wiese oder verschwinden für immer. Unverbindliche oder latent gewalttätige Sexualbeziehungen werden angedeutet. 

Der Film verbreitet, unterstützt vom Soundtrack, eine Endzeit-Stimmung Richtung Auflösung der Gemeinschaft/Warten auf Unheil, ohne dass in ihm wirklich etwas Greifbares passiert. Lebende Hühner, abgeschnittene Hühnerfüße und Hühnerköpfe sieht man manchmal ins Bild gerückt. 

Irgendwo meine ich gelesen zu haben, der Film wäre in einem Eifeldorf gedreht worden. Kann sein, nichts spricht dagegen, auch wenn die etwas maroden Häuser eventuell nicht so einfach dort zu finden sind.

Der Film ist nur etwas für Mitmenschen, die selbst das Gefühl haben, auf den Untergang zuzutreiben.

Montag, 17. November 2025

Im Kino: The Secret Agent

Kleber Mendonça Filho's brasilianischer Polit-Thriller ist nach dem Kölner Kritikerspiegel in der Choices der beste Film des Monats November. Außerdem gewann er die Goldene Palme in Cannes. Er spielt 1977 in der Stadt Recife zur Zeit der Militärdiktatur. 

Ich kann nicht behaupten, in der Handlung so wirklich durchgeblickt zu haben, da es mindestens zwei Zeitebenen gibt und ich eventuell zu müde war. Aber visuell-atmosphärisch ist der Film schon ziemlich toll, da er ein rekonstruiertes Bild der lebendigen Stadt Recife zur damaligen Zeit zeigt, alte Autos und Telefonzellen inklusive. 

Es geht um einen ehemaligen Wissenschaftler, der an der Universität bei einigen Mächtigen in Ungnade gefallen ist, der in seine Heimatstadt zurückkehrt und incognito bei der Polizei arbeitet. Aber Auftragskiller finden ihn dort. 

Surreale Szenen um ein Bein, das man in einem Hai findet, spielen ebenso wie der Karneval eine gewisse Rolle im Film. 

Nach kino-zeit geht es dem Regisseur „nicht etwa um die Aufarbeitung konkreter und realer Verbrechen, sondern um eine fiktionalisierte, kapitelweise Erfassung kurioser bis brutaler Impressionen aus seiner Heimatstadt Recife zu jener Zeit“.

Montag, 10. November 2025

Im Kino: Bugonia

Yorgos Lanthimos' neuer Film ist über weite Strecken ein bizarrer Verschwörungstheorie-Streifen mit einsuggeriertem Hinterwäldler-Milieu. Zwei abgehalfterte Typen, die in einem abgelegenen Haus wohnen und von denen der eine etwas geistig zurückgeblieben und manipulierbar ist und der andere irren Theorien nachhängt, entführen die Chefin eines Agrar-/Gentechnik-Konzerns in ihr Haus, weil sie sie für ein Alien aus dem Andromeda-System halten. 

Ihr Ziel ist, auf das Raumschiff der Frau mitgenommen zu werden, um mit deren Chef zu verhandeln. Die Frau leugnet Ihr Alien-Dasein und die Existenz des Raumschiffs natürlich, aber sie wird gefoltert und muss eine andere Strategie einschlagen. 

Blutige Splatter-Szenen wie hier gibt es üblicherweise oft nur in einigen Horror- oder Serienkillerfilmen zu sehen – und von letzteren ist der Film auch nicht allzu weit entfernt. Seit der Regisseur mit dem Film „Poor Things“ (2023) in Venedig den Goldenen Löwen gewann, ist er „in“ und kann Kinozuschauer anlocken, die sonst wohl eher nicht solche Filme gucken. 

Aber die Geschichte ist schon komplexer, das wird gegen Ende des Films deutlich, als die Aliens die Menschheit als hoffnungslosen Fall aufgeben. Insoweit ist dem Regisseur hoch anzurechnen, auch eine politische Botschaft bezüglich Klimaschutz und Artensterben einzubringen. 

Der Regisseur „interessiert sich dafür, wo Wahrheit endet und Wahn beginnt. Sein Film besitzt jene Mischung aus gesellschaftlicher Analyse und surrealer Überhöhung, für die sein Werk bekannt ist“, so kinomeister.

Dienstag, 4. November 2025

Im Kino: Amrum

Fatih Akim's Film spielt 1944/45 auf Amrum. Die Nordseeinsel wird langsam von Flüchtlingen überschwemmt, die Ernährung zu Ende des 2. Weltkriegs ist spärlich, von Vielem, etwa Butter, Honig, Weizenbrot kann man nur noch träumen.

Aus der Perspektive eines Jungen erzählt, kann man sich eine Vorstellung vom Leben auf der Insel damals machen. Die Kartoffelernte wird gezeigt oder das Räuchern von Schollen, das Jagen von Kaninchen oder das Stehlen von Eiern wilder Gänse.

Filme dieser Art über das Leben in Nazi-Deutschland haben viele Vorbilder, auch die Kinderperspektive. Stilistisch konnte ich nicht viel Besonderes am Film ausmachen, manche Szenen wirken austauschbar, aber der Schauplatz (Insel) ist schon originell und das Ende des Films gefiel mir.

Der Regisseur legt Wert darauf, ideologische Indoktrination zu zeigen, hier besonders am Beispiel der Mutter des Jungen, die in tiefer Depression verfällt, als Hitlers Tod bekannt gegeben wird, aber auch ideologische Spaltung. Natürlich war nicht jeder Anhänger des Regimes.

Insgesamt wirkte der Film auf mich gut ausbalanciert, aber vielleicht reicht es dennoch nicht für einen Platz in meiner Jahresbestenliste.

"Ein über weite Strecken angenehm zurückhaltendes Werk", resümiert film-rezensionen.