Sonntag, 26. November 2023

Filmkonserve: Omar Naim's „The Final Cut“ (2004)

Diesen kanadischen Film sah ich vor 15 Jahren schon einmal auf DVD. Er schaffte es nicht ins Kino, obgleich er für den Goldenen Bären nominiert war. 

Im weitesten Sinne lässt sich der Film als Cyberpunk-Thriller ohne pubertäre Allüren und Action-Elemente einstufen. Er spielt in einer näheren Zukunft, in der es möglich ist, die Sinneseindrücke des Gehirns aufzuzeichnen und auf einem Chip im Gehirn zu speichern. Das passiert meist schon im Baby-/Kleinkindalter. Im Todesfall können die Daten von Spezialisten für einen Gedenk-Film mit den Höhepunkten des Lebens zusammengeschnitten werden (final cut), der auf Beerdigungen gezeigt wird. 

Doch da das ganze Leben aufgezeichnet wird, sind die Daten sehr sensibel und können auch harte, hässliche und verbotene Kost enthalten, die für die Cutter belastend, aber auch für die aufgezeichneten lebenden Personen und damit ebenfalls für die Cutter sehr gefährlich werden kann. 

Dieser ziemlich gute Film hat eher noch an Aktualität gewonnen, wenn man an Digitalisierung, Datenschutz und Cyberkriminalität denkt. 

Näheres zum Film auch bei wikipedia.

Samstag, 25. November 2023

Im Kino: Ein ganzes Leben

Hans Steinbichler verfilmte hier die gleichnamige Romanvorlage von Robert Seethaler aus dem Jahr 2014, was an dieser Stelle nicht beurteilt werden kann und auch nicht beurteilt werden muss. 

Der Film bildet die Lebensgeschichte eines Bergdorf-Bewohners ab und spielt etwa zwischen 1920 und 1980. Österreichischen Film scheint oftmals eigen zu sein, am Anfang ein bigott-religiöses Umfeld zu zeigen, in der der Bauer mit gewaltträchtigen, wahrscheinlich auch kirchlich geprägten Erziehungsmethoden sein patriarchalisch geprägtes Reich verteidigt. Das ist auch hier so. 

Später wird der Film interessanter, da es – wahrscheinlich noch in den 1930er Jahren – um den Bau einer Seilbahn geht. Die Arbeiterschaft muss auch hier Opfer beklagen, denn die Arbeit ist gefährlich, aber vergleichsweise gut bezahlt. Der junge Mann kann Geld sparen, später den Hof verlassen und eine eigene Hütte weiter oben in den Bergen pachten. Im Wirtshaus unten lernt er seine zukünftige Frau kennen, doch diese vergleichsweise gut gelungene Episode des Films endet schnell tragisch durch eine Schneelawine, die das Haus samt Frau begräbt. 

Die folgende militärische Episode im Kaukasus ist vergleichsweise kurz und fahl inszeniert. Es fällt kein Schuss, aber der Feind ist insbesondere der Winter. 

Der Mann kehrt aus russischer Gefangenschaft danach irgendwann ins Dorf zurück, kann jedoch aufgrund seiner traumatischen Schicksalsschläge auch mental kaum noch Fuß fassen, sieht fassungslos auf den zunehmenden Tourismus, der auch ins Dorf einfällt. Viel Viehzucht und Landwirtschaft wird aufgegeben, Höfe in Beherbergungsbetriebe oder Gasthöfe umgewandelt. Wer nicht mit der Zeit geht, geht unter. 

Insgesamt ist es aus meiner Sicht eine eher konventionelle Inszenierung, die oft in der visuellen Beschreibung des Gesehenen und des Wandels stecken bleibt. 

Der Protagonist der Geschichte „wirkt ... etwas einfallslos dabei, der Figur des Andreas Egger mit mehr Nuancen die Traumata sowie das eigenbrötlerische Unbehagen im Beisein anderer Menschen abzuringen“, meint kino-zeit.

Dienstag, 21. November 2023

Im Kino: Die Theorie von Allem

Timm Kröger's Film widmet sich den kruden Multiversen, die vor allem durch Christopher Nolan's Film „Inception“ (2010) mal größere Bekanntheit im Kinopublikum erlangt haben. 

Der Film ist wohltuend weit weg von jedem Hollywood-Bombast und kann mit einer eigentümlich-archaischen Inszenierung punkten; dennoch hat er aus meiner Sicht vor allem in der Schauspielerei und dramaturgischen Inszenierung Schwächen. Empathie für die Figuren kommt da kaum auf. 

Nach einer Eingangssequenz, die in den 1970er Jahren spielt, springt er in die 1950er Jahre und wird ein Schwarzweiß-Film. Schauplatz ist ein Ski-Ressort in Graubünden. Dort tagt ein Physiker-Kongress, und der angehende Doktorand darf mit seinem Doktorvater mit dorthin fahren. Selbst an der Theorie der Multiversen arbeitend, wird er Opfer dieser Multiversen, die sich ihm offenbaren. Oder ist er nur psychisch labil? 

In der Geschichte sterben ein paar Personen und tauchen später wieder lebendig auf, womit verdeutlicht wird, dass sich der Protagonist wohl zeitweise in einer Parallelwelt aufgehalten haben muss. Einige Personen spielen auch andere Rollen in der Geschichte, die zum Teil in unterirdischen, aufgegebenen Gängen eines ehemaligen Uranerzabbaus unter dem Ski-Ressort spielt. 

Zum Teil wirkt der Film wie ein 1950er-Jahre-Verschwörungsthriller mit fremden Mächten. 

Epd-Film fand den Film gut. Er ist auch nicht schlecht, sage ich mal.

Montag, 20. November 2023

Meine Woche (KW 46/23)

Gemacht: gearbeitet, eingekauft, Grippe-Impfung bei meiner Internistin, Essen gehen und Bier trinken mit Freunden in der Braustelle/Ehrenfeld. 

Gesehen: im Kino „Die Theorie von Allem“, „Killers of the Flower Moon“, DVD: „Schnee, der auf Zedern fällt“. 

Gekauft: Thermo-Hygrometer und Toslink-Kabel für jeweils etwa 15 € bei Mediamarkt. Der Kabelkauf erschien notwendig, um den Ton der Heimkino-Anlage wieder in Gang zu bekommen. 

Gelesen: in C.E. Bernard's Roman „Der Klang des Feuers“, im Kölner Stadtanzeiger. 

Gegessen: ich bleibe beim Suppenhuhn mit viel Gemüse als Highlight der Woche. 

Getrunken: Kaffee, Kölsch. 

Gehört: Musik von Barda Pond, Bauhaus, Beady Bell, Oh Wonder, Olivia Trummer. 

Gefühlt: mitunter genervt. 

Gegangen: durchschnittlich 7.800 Schritte/Tag (3.400 – 10.800). 

Fazit: eine schnöde Arbeitswoche mit herbstlich-nass-winterlichem Wetter.

Filmkonserven-Highlight (1): Scott Hicks' „Schnee, der auf Zedern fällt“

Dieser Film, den der afrikanisch-australische Regisseur 1999 nach einem Roman von David Guterson aus dem Jahr 1994 inszenierte, gefällt mir nach der nunmehr dritten Sichtung noch immer. 

Der Film punktet vor allem mit einer düster-melancholischen, auch durch den Soundtrack entsprechend unterstützten Stimmung. 

Der Film spielt in den 1940er und -50er Jahren auf einer dünnbesiedelten Insel im Nordwesten der USA. Erzählt wird von einer unglücklichen Liebesgeschichte zwischen einem japanisch-stämmigen Mädchen und einem Amerikaner. 

Im Vordergrund der Handlung steht aber ein Mordprozess gegen einen Japaner. In Rückblenden werden die Geschehnisse von damals erzählt, die auch viel mit dem Ausbruch des Pazifikkrieges nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbour zu tun haben; denn in den USA wurden die dort lebenden Japaner in Internierungslager gesteckt, verloren Hab' und Gut.

Die Geschichte ist auch interessant, weil sie von einem kaum bekannten, dunklen Kapitel der US-amerikanischen Geschichte erzählt und von Gewalt gegen Minderheiten, ein nach wie vor aktuelles Thema.  

Wikipedia-Link