Montag, 31. Oktober 2022

Im Kino: Triangle of Sadness

Ruben Östlund's Film erzählt von einem reichen Model-Pärchen und ihrer Luxus-Kreuzfahrt auf einer Groß-Yacht, die in einer Katastrophe mündet. Der Film fängt mit einem Casting und einem absurden Streit über eine Restaurant-Rechnung an. Danach springt er auf die Luxus-Yacht, um das langweilige Gesellschaftsleben dort zu zeigen. Anwesend sind dort ein paar Pärchen und die Besatzung, die (fast) alle Wünsche erfüllen soll. So lässt man die Besatzung schon mal zur Unterhaltung antreten. 

Der meist betrunkene Kapitän (Woody Harrelson) hat wahrscheinlich schon lange die Nase voll von diesem Klientel und wird vom wahren Grauen gepackt anlässlich des anstehenden Kapitän-Dinners. Er legt das Dinner dann auf Stunden ordentlichen Seegangs. Visuell wird ausgesprochen ergiebig gekotzt, und die Toiletten versagen dann auch noch. 

Im dritten Part des Films wird das Schiff von Piraten angegriffen und sinkt nach einer Explosion. Die Überlebenden retten sich auf eine einsame Insel. Eine Asiatin, die allein Feuer machen und Fische fangen kann, erklärt sich zur Chefin an Land. Der Model-Man muss nun Liebesdienste leisten, die Männer haben nichts mehr zu sagen. 

Schiffbruch der Dekadenz. Die Goldene Palme für ein Luxusschlachtengemälde“, meint artechock

Man kommt wohl nicht umhin, diesen preisgekrönten, gewollt boshaft gemachten Film als ziemlich amüsant und gelungen anzuerkennen. Mir ging es jedenfalls so.

Vielleicht schafft Östlund es diesmal in meine Jahresbestenliste. "Höhere Gewalt" (2014) und "The Square" (2017) schafften es - wenn auch knapp - nicht, obwohl auch letzterer bereits die Goldene Palme gewann.

Samstag, 29. Oktober 2022

Bücherwelten: Justin Cronin's Roman „Die Zwölf“

Nach dem Roman „Der Übergang“ (The Passage, 2010), den ich schon vor 6 Jahren las, hat der US-amerikanische Autor sein apokalyptisches Vampir-Epos zu einer dickbändigen Trilogie erweitert. Im zweiten Band (The Twelve, 2012), der sich über 100 Jahre hinzieht, verfolgt der Autor die Geschichte weiter. 

Die USA sind längst in gefährliches Niemandsland und befestigte menschliche Siedlungen mit mehr oder weniger autokratischen Dorfregierungen zerfallen, die lose Kontakte pflegen, wobei sich die Durchquerung des Niemandslandes und der aufgegebenen Großstädte regelmäßig als gefährlich erweist. Des Weiteren gibt es autokratische Kommunen, die mit den Vampir-Königen kooperieren, damit die eigene Führungsriege ebenfalls die Unsterblichkeit erreichen kann. Hierfür ist modifizierte Blut regelmäßig zu trinken. 

Dennoch verfolgen einige Menschen weiter das Ziel, die zwölf „Vampir-Könige“ zu finden und zu töten, da mit ihrem Ende auch ihre Vasallen (Virals) zu Staub zerfallen. 

Herr Cronin kann über weite Strecken gut und spannend schreiben, doch die große Schlacht in einem ehemaligen Fußballstadion und das Ende des Romans wirken auf den letzten 100 Seiten zu pompös oder pathetisch. Im Übrigen hat man zeitweise den Eindruck, einen Militär-Roman zu lesen, der aktuell ebenso gut im Niemandsland der Ukraine spielen könnte, wenn man sich den Vampir-Mythos hier weg denkt. 

In 2019 startete eine 10-episodige FOX-Serie, die sich der Geschichte annahm und nach dieser Staffel eingestellt wurde. Wahrscheinlich endete sie demnach im Nichts.

Donnerstag, 27. Oktober 2022

Im Kino: Mona Lisa And The Blood Moon

Ana Lily Amirpour erzählt von einer asiatischen jungen Frau, die der Zwangsjacke entfliehen kann und in New Orleans von einer Prostitierten aufgenommen wird, um mit ihr gemeinsam auf kriminelle Raubzüge zu gehen; denn die Asiatin hat die Fähigkeit, ihre Gegner*innen mental zu zwingen, bestimmte Dinge zu tun, etwa Geld am Automaten abzuheben. 

Der Film spielt mit vielen Genres, egal ob Horror, Fantasy, Coming-of-Age, Rachedrama oder Underground-Subkultur. In erster Linie würde ich es als ein Underground-Werk betrachten. Dafür sprechen auch Outfit und Soundkulisse. 

Mit im Mittelpunkt der Geschichte steht auch der noch junge Sohn der Prostituierten, den diese meist etwas vernachlässigt hat und der eine sensible Beziehung zur Asiatin aufbauen kann. 

 „Zwar wird hier vieles nur angedeutet und manches schlichtweg unter den opulenten Sound- und Bildteppich gekehrt, aber gerade diese Bruchstückhaftigkeit passt gut zum schrägen, märchenhaften Grundton dieses wilden und sehr unkonventionellen Films“, meint kino-zeit

Ja, diese britisch-amerikanische Regisseurin erweist sich zunehmend als talentiert abseits der Mainstream-Schiene - und wir freuen uns, dass es dieser Film ins Kino geschafft hat.

Sonntag, 23. Oktober 2022

Im Kino: Vesper Chronicles

Postapokalyptische Geschichten interessieren mich schon von klein auf. Gleichwohl verdichtet sich bei mir erst in den letzten 3 Jahren das Gefühl, ich könnte die Apokalypse vielleicht selbst noch erleben. Wie auch immer, unter der Regie von Kristina Buozyte & Bruno Samper entstand als belgisch-französisch-litauische Co-Produktion ein neuer herausragender post-apokalyptischer SciFi-Film. 

Ausgangspunkt des Films ist eine weitgehend zerstörte Erde, auf der die Menschen, Tiere und Pflanzen infolge fehlgeschlagener genetischer Experimente weitgehend ausgelöscht wurden und neue Organismen leben. Die überlebenden Menschen vegetieren entweder in den Ruinen dahin oder sie waren reich und konnten sich rechtzeitig in abgeschottete „Zitadellen“ zurückziehen. Sie tauschen Blut ein zur eigenen Verjüngung gegen Samen von Ackerfrüchten, damit das noch übrig gebliebene Volk überleben kann. 

Der Film spielt in einem sumpfigen Wald-Acker-Niemandsland. Hier lebt ein junges Mädchen getrennt von ihrer Sippe zusammen mit dem bettlägrigen Vater und einer hilfreichen Drohne. Die Sippe wird von einem brutalen „Onkel“ regiert. Gleichzeitig sieht man verhüllte Gestalten, die einzeln durch die Gegend ziehen und Schrott sammeln, hinter sich herziehen und einem unbekannten Ziel zustreben. 

Die Geschichte kommt ins Rollen, als ein Zitadellen-Gleiter abstürzt und das Mädchen eine verletzte Frau retten und aufnehmen kann. Diese Frau verspricht viel, erweist sich jedoch nur als eine genetisch gezüchtete Sklavin, die mit ihrem Herrn auf der Flucht war. Der Verrat des Onkels zieht eine Kette von Ereignissen nach sich, da die Zitadelle nun Suchtrupps ausschickt. 

Die zum Teil surreal anmutende Geschichte ist recht einfühlsam erzählt und punktet vor allem mit ihrer Szenerie und den mutierten Lebewesen (Würmer, Pflanzen), die gefährlich sein können. Atmosphärisch und soundtechnisch ist der Film eher düster. 

Eine reichhaltig-originelle Story-Welt, in die man mehr und mehr hineingesogen wird“, stellte kino-zeit zum Film fest.

Im Kino: Mittagsstunde

Ich muss noch diese Filmempfehlung nachreichen. Den Film sah ich schon vor meinem Urlaub, er läuft aber – zumindest in Köln - noch im Kino und sollte nicht verpasst werden. 

Auf Basis des gleichnamigen Erfolgsromans (2018) von Dörte Hansen inszenierte Lars Jessen diesen Film über den wirtschaftlichen, kulturellen und zwischenmenschlichen Wandel im fiktiven nordfriesischen Straßendorf „Brinkebüll“ von den 1960er-Jahren bis in unsere Gegenwart. 

Ausgangspunkt der Geschichte ist ein Uni-Mensch, der eine Auszeit für ein Jahr nimmt, um sich in seinem kleinen Heimatdorf um seine zunehmend gebrechlich-senilen Eltern zu kümmern. Neben der relativ tristen Gegenwart kommen in ihm permanent Erinnerungen an seine Kindheit hoch, die der Film visualisiert. 

Dieser Film zählt aus meiner Sicht zu den besten deutschen Filmen der letzten Jahre, da er anschaulich den Strukturwandel in den Dörfern zeigt, um vermeintlich bessere Lebensbedingungen zu schaffen, die aber oft mit massiven Umweltzerstörungen einher gehen. Dazu zählen hier der Straßenbau, dem alte Bäume weichen müssen, als auch die Flurbereinigung, der ein Hügelgrab geopfert werden soll, das Verschwinden der Störche und der zunehmende Straßenverkehr, der auch Tote im Dorf fordert. 

Dazu kommt ein schauspielerisch überzeugend agierendes Ensemble bis in die Nebenrollen. 

Die schrägen Gestalten sind mit großer Sympathie gezeichnet und stehen ohne jede nostalgische Verklärung für ein Leben, das es so nie mehr geben wird“, meint epd-film.

Tendenziell ist der Film relativ düster.