Mittwoch, 7. Januar 2026

Bücherwelten: Kazuo Ishiguro's Roman „Der begrabene Riese“

Der in 2015 erschienene Roman spielt im 5./6. Jahrhundert nach Christi in England. Es ist das dritte Buch, das ich von diesem nobelpreisgekrönten Autor in diesem Jahrzehnt gelesen habe. 

Erzählt wird in diesem Roman von einem betagten Pärchen, das sich aufmacht, seinen wohnhöhlenartigen Weiler zu verlassen, um den verlorenen Sohn zu besuchen. Es geht das Gerücht um, dass der Atem eines Drachen die Gegend verpestet hat, so dass alle Menschen schnell die Vergangenheit vergessen. Oder handelt das Buch von einem alzheimerähnlichen Problem? Das Pärchen ist sich jedenfalls seiner Vergangenheit und vergangener Ereignisse nicht sicher. Dazu kommen noch Träume und oft düstere Visionen. Aber auch andere Menschen haben das Problem. 

Auf ihrer mehrtägigen Wanderung kommen sie zu einem Dorf der Sachsen und später zu einem Kloster in den Bergen. Ein alter Ritter auf seinem Ross, der bereits mit König Artus kämpfte und den Drachen beschützen will und ein anderer Schwertkämpfer, der den Drachen töten soll, kreuzen mehrfach ihren Weg. 

An der Schlafstätte des Drachens hoch in den Bergen kommt es zum entscheidenden Schwertkampf, den der alte Ritter verliert. Der Drache wird sodann vom siegreichen Schwertkämpfer getötet, langsam hebt sich der Schleier des Vergessens. Das alte Pärchen ist Zeuge dieser Geschehnisse. 

Mühsam kämpft es sich sodann runter zur Küste, vor der eine geheimnisvolle Insel liegt, auf der vielleicht ihr Sohn lebt. Doch auch um die Fährmänner ranken sich düstere Geschichten, und sie bringen oft nicht alle Kunden rüber, sondern transportieren sie einzeln auf ihren kleinen Booten, wenn sie eine Prüfung bestehen. 

In diesem Roman wird zentral die Frage verhandelt, ob vor dem Hintergrund endloser Gewaltspiralen in vielen Konflikten Geschehnisse der Vergangenheit besser vergessen oder aufgedeckt werden sollten, um friedlich zusammenleben zu können. 

Aus meiner Sicht ist das ein tolles Buch. Es soll auch eine der besten Sterbeszenen der moderneren Weltliteratur enthalten. Man muss das mystisch-nebulöse Ende des Romans jedoch erst einmal verstehen.

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