Freitag, 23. Dezember 2022

Im Kino: Aftersun

Charlotte Wells Film spielt an der Südküste der Türkei. Erzählt wird von einem Urlaub, den Vater und 11-jährige Tochter dort in den 1990er Jahren in einem All-inclusive-Ressort machen. Sie haben eine Videocamera dabei, daher weiß die Tochter ungefähr, was sich dort vor etwa 25 Jahren abspielte. 

Es liegt eine tiefe Melancholie in diesem Film, der von einer Vergangenheit erzählt, die so nicht mehr existiert. Eventuell erzählt der Film auch von einer Vater-Tochter-Trennung, nachdem zum Zeitpunkt der Video-Aufnahmen bereits die Trennung der Eltern vollzogen war. Aber das ist ungewiss. 

Charlotte Wells gehört zu den Entdeckungen des Filmjahres 2022 mit ihrem berührenden und ehrlichen Coming-of-Age-Drama, das gerade siebenfach bei den British Independent Film Awards gewürdigt wurde“, sagt blickpunktfilm

Aus meiner Sicht fehlt es dem Film jedoch etwas an Speed und an Story.

Donnerstag, 22. Dezember 2022

Sound-Welten (12/2022)

Ich habe immerhin 12 spotify-Prüfvorgänge für Alben in diesem Jahr geschafft – allerdings sind das zu wenige, um Interessantes verlässlich am Markt entdecken zu können. Am besten gefielen mir diesmal die Alben von The Gathering und Hop Along; möglicherweise kaufe ich sie noch. 

Fleetwood Mac. Album: Fleetwood Mac (1975) // Rumours (1977). In der Frühphase war die Band ab 1968 bereits in Großritannien erfolgreich. Es gab dann zahlreiche, oft drogenproblembedingte Besetzungswechsel. In der Band-Historie sind die oben genannten Alben bereits die Alben No. 10 & 11 und entstanden nach bedeutenden weiteren Besetzungswechseln. Sie markieren den endgültigen Übergang zu einer vergleichsweise soften US-amerikanisch-britischen Mainstream-Rockband – und gefallen mir immer noch nicht. SHR: 728 T – 500.653 T // 30.879 T – 1.116.411 T. WD: 1.733/day. 

The Gathering. Album: Beautiful Distortion (2022). Oh Wunder, nach 9 Jahren hat die niederländische Band mal wieder ein Studio-Album veröffentlicht. Zwischen 1998 und 2007 habe ich 4 Alben von ihnen gekauft. Damit endete jedoch auch ihre Glanzzeit, zumal die Sängerin ersetzt werden musste. Mit dem neuen Album macht sie weiter, wo sie aufgehört hatte, einem Sound, den man als Progressive Rock mit Trip-Hop-Elementen bezeichnen kann und Songs, die meist 5 – 7 min lang sind. An frühere Erfolge kann die Band auch mit diesem zwölften Album nicht anknüpfen, dennoch gefallen mir einige Songs ganz gut. Mal sehen, vielleicht lege ich es mir zu. SHR: 40 T – 195 T. WD: 33/day. 

Hop Along. Album: Bark Your Head Off, Dog (2018). Viertes und bislang jüngstes Album einer US-amerikanischen Indie-Rock-Band mit Lady am Micro. Stilistisch ist es etwas „kauzig-psychedelisch“ und alternative-Folk-mäßig. Mir gefällt die mädchenhafte Stimme der Sängerin und daher auch das Album ganz gut. „Das ist Indie und Alternative, Experimentelles und Melodiöses, Verspieltes und klar Strukturiertes“, meint musikreviews. SHR: 1.069 T – 8.229 T. WD: n.v. 

Indigo Sparke. Album: Hysteria (2022). Zweites Album einer australischen Indie-Folk-Singer-/Songwriterin. „Wärmt die Seele und tröstet ungemein“, meint soundsandbooks. Vielleicht ist sie aber auch ein Stück weniger authentisch bzw. einen Tick zu mainstreamig geworden. Besser finde ich ihr Debut-Werk „Echo“ (2021) aber nicht. SHR: 16 T – 220 T. WD: n.v. 

Jenny Hval. Album: Blood Bitch (2016). Sechstes Album einer norwegischen Lady, die im Bereich der experimentellen Popmusik tätig ist. Das Album ist stark durch elektronische Klänge/Soundgeräusche und Rhythmen geprägt – und mitunter aus meiner Sicht etwas „unverdaulich“. Das denke ich auch streckenweise von ihrer „Voice“. Es gibt aber auch einzelne Kompositionen, die ambienter oder minimal-technoid beschaffen sind und Gespür für interessante Melodien erkennen lassen. SHR: 253 T – 2.755 T. WD: 4/day. 

Julia Holter. Album: Aviary (2018). Das offiziell sechste und bis dato letzte Album der US-amerikanischen Indietronic-Musikerin kommt als Doppel-CD daher. Aus meiner Sicht ist das manchmal schwer verdauliche Kost, an atonales Katzengejammer erinnernd. Andererseits gibt es auch melancholische, minimalistische Passagen oder Songs mit zurückhaltendem, manchmal auch hypnotischem Gesang. Ich glaube, mir fehlen oft rhythmische Strukturen, die es aber in manchen Songs auch gibt. SHR: 155 T – 1.596 T. WD: 4/day. 

SHR = Spotify-Hörer-Relevanz in 1.000 Zugriffen (= 1 T) je Song. Indikator für relative Bedeutung im weltweiten Raum. 

WD = Anzahl der de.wikipedia-Seitenaufrufe zur Band/Künstlerin pro Tag (als 90-Tage-Mittel), n.v. = keine deutschsprachige wikipedia-Seite vorhanden. Indikator für relative Bedeutung im deutschsprachigen Raum. 

Die Zahlenangaben beziehen sich auf den Zeitpunkt meines letzten Zugriffs.

Sonntag, 18. Dezember 2022

Im Kino: She Said

Maria Schrader bekommt ja gelegentlich einen echt guten Film hin, wie „Liebesleben“ (2007) oder „Ich bin Dein Mensch“ (2021). In ihrem neuen Film widmet sie sich dem Harvey-Weinstein-Skandal, der von einem Mann handelt, der als Filmproduzent seine Machtposition missbrauchte, um seine Triebe auszuleben und jungen Schauspielerinnen nachzustellen. 

Der Film schildert, wie zwei Investigativ-Journalistinnen Opfer suchen und besuchen, um sie zu Zeugenaussagen zu bewegen. 

Handwerklich solide gemacht, doch hat er in erster Linie, wegen der doch recht glatt gezeichneten Figuren, denen es an Reibungspunkten fehlt, vielmehr Ähnlichkeit mit einem Lehrmittel“, meint kino-zeit

Dieser Wertung kann ich mich anschließen. So wirklich zünden will der Film nicht, auch wenn er ein wichtiges Thema behandelt.

Samstag, 17. Dezember 2022

Sound-Welten (11/2022)

Ich habe bei spotify – nach längerer Zeit - wieder mal einige Alben geprüft. Am besten gefiel mir das erste Album von Dry Cleaning. Ich habe es gekauft (was nicht bedeutet, dass es auch geliefert wird). 

The Alan Parsons Symphonic Project. Album: Live in Colombia (2016). The Alan Parsons Project, eine britische Band, die Alben zwischen 1977 und 1987 veröffentlichte. Von Alan Parsons gibt es unter seinem Namen aber auch noch spätere und neue Alben in anderer, zum Teil aber auch ähnlicher Besetzung. Die ersten 3 Alben des Alan Parsons Project hatte ich 1978 gekauft. Dieses Live-Album, wahrscheinlich in großer Besetzung inszeniert, ist ziemlich gut, versammelt auch einige alte Songs wie „The Raven“, die mir besonders gefallen. In späteren Veröffentlichungen wurde das Alan Parsons Project oft „kitschiger“, konnte aber bis 1985 seinen Top-1-Status in den deutschen Charts halten - und das merkt man natürlich auch in diesem Live-Album, das doch eine Werkschau ist und auch schwächere Songs enthält. SHR: 37 T – 429 T. WD: 191/day. 

Birth Control. Album: Open Up (2022). Von dieser deutschen Krautrock-Band kaufte ich in den 1970er Jahren vier Alben. „Gamma Ray“ aus dem 1972er-Album „Hoodoo Man“ war ihr größter Erfolg. Ich sah sie damals auch mal live. Von ihrem Schaffen nach 1976 bekam ich nichts mehr mit. Es gab zwei mehr als 10-jährige Auszeiten, bedingt durch durch den Tod der bedeutendsten Band-Mitglieder. Ihr neues Werk dürfte Studio-Album No. 17 sein. Man hört dort 70er-Jahre-Rockmusik in bis zu 10-minütigen Songs, aus meiner Sicht jedoch ohne fesselnde Höhepunkte. Bemerkenswerterweise schafften sie es mit diesem Album auf Platz 90 der deutschen Charts (lt. wikipedia waren sie zuvor noch nie in den Charts). SHR: 2 T – 14 T. WD: 149/day. 

Case/Lang/Veirs. Album: Case/Lang/Veirs (2016). Die Zusammenarbeit dieser solo bereits sehr erfolgreichen, kanadisch-US-amerikanischen Ladies währte bislang nur dieses eine Album lang. Es ist ein anspruchsvolles Singer-/ Songwriterin-Folk-Album geworden, das lange nicht bei spotify zu finden war. Dennoch glaube ich nicht, es heute noch haben zu müssen. Nicht alle Songs überzeugen mich, manche sind zu mainstreamig und fast alle Songs sind < 4 min lang. SHR: 512 T – 7.069 T. WD: n.v. 

Dry Cleaning. Alben: New Long Leg (2021) // Stumpwork (2022). Erstes und zweites Album einer britischen Band mit Lady am Micro, deren Musik als „Post-Punk zwischen Indie-Rock und Psychedelic Rock“ beschrieben wird. Es gibt also sozusagen Störgeräusche im Sound, der dennoch ziemlich interessant und manchmal nicht nur ruppig, sondern auch minimalistisch oder melodisch ist. Tendenziell ist das erste Album aus meiner Sicht besser. SHR: 616 T – 6.120 T // 114 T – 1.026 T. WD: 14/day. 

Emily Jane White. Album: Alluvion (2022). Siebtes Album einer US-amerikanischen Singer-/Songwriterin, die ich anfangs mal gut fand und ihre beiden ersten Alben kaufte (2009/10). Aus meiner Sicht ist ihr Sound jedoch zu glatt/kitschig/mainstreamig geworden. SHR: 17 T – 156 T. WD: n.v. 

Infinitome. Album: Beyond the Beyond (2022). Zweites Album einer wohl weitgehend gänzlich unbekannten US-amerikanischen Symphonic-Progressive-Rock-Band. Instrumental, pompös, kompositorisch oft zu glatt, insgesamt nicht so mein Ding, manchmal gefällt das Saxophon. SHR: 1 T. WD: n.v. 

SHR = Spotify-Hörer-Relevanz in 1.000 Zugriffen (= 1 T) je Song. Indikator für relative Bedeutung im weltweiten Raum. 

WD = Anzahl der de.wikipedia-Seitenaufrufe zur Band/Künstlerin pro Tag (als 90-Tage-Mittel), n.v. = keine deutschsprachige wikipedia-Seite vorhanden. Indikator für relative Bedeutung im deutschsprachigen Raum. Die Zahlenangaben beziehen sich auf den Zeitpunkt meines letzten Zugriffs.

Im Kino: An einem schönen Morgen

Mia Hansen-Løve, die bereits den schönen Film „Alles was kommt“ (2016) inszenierte, erzählt in ihrem in Paris spielenden Film von einer Frau (Léa Seydoux) und ihrer Tochter und ihrem Leben. Sie ist als Synchron-Dolmetscherin tätig, hat ein ausgewachsenes Problem mit ihrem zunehmend senilen Vater und nebenbei noch eine Liebesbeziehung zu einem verheiratetem Astrochemiker. 

Der Vater muss in eine Seniorenheim, die Wohnung – voll mit Büchern – aufgelöst werden. Der Film pendelt zwischen den zwei Wohnungen des Vaters und der Frau, ihrem Arbeitsplatz, Spaziergängen mit Freund und Tochter und diversen Seniorenheimen, in denen der Vater zunächst immer nur zeitweise bleiben kann. 

In der Realisierung ist es ein typisch unaufgeregter sozialrealistischer französischer Film frei von jeder Künstlichkeit – wie aus dem Leben gegriffen. 

Hansen-Love braucht keine Establishing Shots für ihre Szenen, weil sie gar nicht anders kann, als das Leben, das sie beguckt, als bereits etabliertes zu denken, das weiterläuft, immer weiterläuft. Keine Figur, in der das Drama ablaufender Lebenszeit nicht schon eingerechnet wäre“, meint critic.