Ich habe zuvor noch nie etwas von dem österreichischen Autor Andreas Gruber gehört und gelesen. Sein nur in 888 Exemplaren erschienener Roman war in 2008 der erste Gewinner des noch jungen Vincent Preises, der seither jährlich für deutschsprachige Horrorliteratur in Marburg vergeben wird und diverse Kategorien wie auch die „Kurzgeschichte“ oder „Anthologie“ kennt. Auch dieser Preis dürfte nur „Eingeweihten“ der Horrorliteratur bekannt sein.
Meine gelesene Fassung des Romans ist eine erweiterte Neuauflage, die in 2021 erschien. Stilistisch ist der Roman schon sehr spannend geschrieben, kann Atmosphäre aufbauen, hat auch mitunter unheimliche und grausige Details.
Er handelt von Spitzbergen-Expeditionen, die um einen senkrechten, endlos tiefen Schacht kreisen, den die erste Expedition zufällig im Jahr 1911 entdeckte. Eine Rahmenhandlung im Jahr 2021 schildert, wie eine Frau unter Gewaltanwendung zu der geheimnisvollen Anlage über dem Schacht gelangt, unter falschen Identitätsangaben auch eingelassen wird, dann aber überraschend Zeugin eines Angriffs wird, den letztlich nur sie selbst in der Station überlebt.
Sie verschanzt sich in der Station, findet alte Tagebücher, und der Roman schildert dann rückblickend anhand der Aufzeichnungen, was in den letzten ca. 100 Jahren bei der Erforschung des Schachts dort passierte und was man herausfand. Weiter möchte ich gar nicht auf den Inhalt eingehen. Man findet u.a. Nester mit verwachsenen Skeletten großer Eulen noch in vielen Kilometern Tiefe auf Vorsprüngen im Schacht, und man wird nicht ans Ende des Schachts gelangen. Mythologische Quellen aus alten Büchern spielen auch eine Rolle, denn vielleicht hat man hier einen Eingang zur Hölle gefunden.
Man wäre jedoch ein Anhänger obskurer Verschwörungstheorien, würde man irgendetwas hier für glaubwürdig halten. Bei der Erforschung des Unbekannten auf der Erde hatten die Schriftsteller:innen vor über 100 Jahren noch deutliche Vorteile, weil noch nicht jeder Winkel erforscht war, etwa Arthur Conan Doyle 1912 mit seinem Roman „The Lost World“.

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