Mittwoch, 26. März 2025

Im Kino: Das Licht

Tom Tykwer, einer meiner Lieblingsregisseure. In seinem fast 3-stündigen Film analysiert er bundesdeutsche Befindlichkeiten am Beispiel einer vielleicht etwas „dysfunktionalen“ Familie des gehobenen Mittelstandes in Berlin. Diese residiert in einer großen Altbauwohnung. 

Die Eltern haben gute Jobs in der Projektentwicklung, sei es in einer Berliner Werbeagentur oder in der Entwicklungshilfe. Die Frau (Nicolette Krebitz) ist häufig in Kenia, um ihr Projekt voranzutreiben. Die 17-jährigen Kinder leben weitgehend in ihrer eigenen Welt, sei es im online-Gaming zu Hause (der Sohn) oder bei Tech-Parties mit Drogenrausch oder im Klima-Aktionismus (die Tochter). 

Die Eltern können sich eine Haushaltshilfe leisten, und sie brauchen eine neue, da sie ihre alte Haushaltshilfe tot in der oft dunklen Wohnung vorfinden. Mit der neuen, syrischen Haushaltshilfe (Tala Al-Deen) kommt das Licht ins Spiel; denn diese veranstaltet lichttherapeutische Stroboskop-Seancen und kann auch die Familienmitglieder überzeugen, solche zu machen, um die Familie wieder mehr zusammenzubringen. Gegen Ende des Films veranstaltet sie mit ihnen eine selbsttherapeutische Licht-Therapie, um ihr Flüchtlingstrauma zu behandeln, eine Art Toten-Beschwörung. 

Ich weiß nicht, ob der Film der große Wurf ist, aber er ist aus meiner Sicht atmosphärisch-stimmig gelungen, schauspielerisch gut besetzt (u.a. auch Lars Eidinger als Vater) und auch visuell sehr unterhaltsam, mitunter mit kurzen Comic-Sequenzen und Aktionskunst-Tanzeinlagen in der City aufgelockert. Es gibt ansprechende Berlin-Bilder, wobei es meistens in Strömen gießt, und es werden sehr viele Themen aus der bundedeutschen Wirklichkeit der letzten Jahre angerissen. 

Die Filmkritiken sind unterschiedlich, aber selbst Herr Suchstand kommt bei artechock zu dem Ergebnis, dass Herr Tykwer „trotz allem einfach ein überdurchschnittlich guter Regisseur“ sei. Und das liegt in der Tat vor allem an der Bildgestaltung.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen