Sonntag, 20. März 2022

Im Kino: Petite Maman

Céline Sciamma erzählt in ihrem Film von einer Kleinfamilie, die nach dem Tod der Mutter der Frau das kleine abgelegene Haus im Wald zu räumen beginnt. Die Tochter stromert im Wald herum und begegnet einem anderen Mädchen, das – wie sie erkennen muss - ihre Mutter ist. Sie erfährt viel über das Leben ihrer Mutter als Kind und lernt auch ihre jüngst verstorbene Großmutter kennen. 

Frau Sciamma behandelt den „Riss in der Wirklichkeit“, ein kennzeichnendes Element der phantastischen Literatur, ohne irgendwelches mystisches Beiwerk, die Kinder nehmen die Gegebenheiten ganz natürlich hin und backen auch Pfannkuchen zusammen. 

Auch wenn es dieser Film aufgrund seiner minimalistischen Ausstattung vielleicht nicht in die Top-Liste der besten Filme des Jahres schaffen wird, kann man in die französische Regisseurin, die im Jahr 2018 den herausragenden Film „Portrait einer jungen Frau in Flammen“ inszenierte, große Hoffnungen setzen. 

Es eröffnet sich ein verträumt-zeitloser, melancholischer Blick auf Kindheit, Trauer und Erinnerung“, meint epd-film.

Mittwoch, 16. März 2022

Im Kino: Trouble Every Day

Claire Denis' Film aus dem Jahr 2001 schaffte es nun bemerkenswerterweise - restauriert und zum ersten Mal - ins deutsche Kino. Das Genre wirkt auf mich mehr nach Serienkiller- oder Horrorfilm als nach Vampirfilm im engeren Sinne, da zu letzterem viele bekannte Zutaten und auch die Visualisierung phantastischer Momente fehlen. 

Im Film, der in Paris spielt und zwei Liebespaare in den Mittelpunkt stellt, geht es ausschließlich um erotisch-blutige Exzesse, die aber nur Dritte treffen, während die sich Liebenden untereinander sehr zurückhaltend agieren. Erklärungen zum Geschehen fehlen meist, die Geschichte muss man sich weitgehend selbst zusammenreimen. 

Die subversive Kraft, mit der die französische Autorenfilmerin auf Erotik und Gewalt blickt, ist zeitlos faszinierend“, meint artechock

Ob das ein wirklich guter Film ist, lasse ich mal offen, aber es ist ein interessanter Film mit französischen Schönheiten wie Béatrice Dalle und Tricia Vessey - und auch wegen des musikalischen Tindersticks-Soundtracks.

Sonntag, 13. März 2022

Im Kino: Parallele Mütter

Pedro Almodóvar bekommt gelegentlich einen guten Film hin. Sein neuer Film ist schon der 11. Film, den ich vom ihm im Kino gesehen habe und er gefiel mir soweit auch ganz gut, zumal seine Muse Penélope Cruz mitspielt. 

Erzählt wird von zwei Frauen, die sich im Krankenhaus kennen lernen und von den Folgen der Verwechslung ihrer Kinder in diesem Krankenhaus. Das fliegt nach einigen Monaten auf, da ein Liebhaber misstrauisch wurde und die Protagonistin einen Gentest machen lässt. 

Zu diesem Zeitpunkt leben die beiden Frauen schon zusammenleben. 

Es gibt noch einen interessanten Nebenstrang, in dem es um die Aushebung eines Massengrabs aus der Franco-Diktatur geht. 

Insgesamt ist dem Regisseur ein ziemlich stimmiger Film mit starken Frauenfiguren gelungen. 

Todschick inszeniertes Melodrama“, meint filmstarts.

Samstag, 12. März 2022

Im Kino: The Card Counter

Im Werk des Regisseurs Paul Schrader kenne ich mich überhaupt nicht aus, obwohl er schon seit Ender der 1970er Jahre aktiv ist. 

Dieser Film spielt im US-amerikanischen Casino-Milieu und ist dort auch nicht der erste seiner Art, wenn man etwa an Martin Scorsese's „Casino“ (1995) denkt. Wer Filme in diesem Milieu mag, ist hier sicher gut aufgehoben. 

Im Übrigen wird die Story hier mit einer halbgaren Liebesgeschichte zu einer Spielturnier-Agentin und überzeugenderen dunklen Schatten aus der Vergangenheit des Haupt-Protagonisten (Folter-Thematik) verknüpft und zu einem Schuld-Sühne-Drama. Den Endszenen des Films mangelt es jedoch nicht an „Kitsch“. 

Langatmige Studie über einen Soldaten, der zum Spieler wird“, meint kinomeister. Langatmig fand ich den Film nicht.

Dienstag, 8. März 2022

Sound-Welten (3/2022)

Ich habe bei spotify im Laufe der vergangenen Wochen wieder einige Alben geprüft. Am überzeugendsten fand ich eindeutig das Album von Big|Brave. 

Aimee Mann. Album: Queens of the Summer Hotel (2021). Etwa elftes Studio-Album einer US-amerikanischen Singer-Songwriterin. Zu amerikanisch, tendenziell auch zu meanstreamig durcharrangiert, meine ich, kann man aber noch gut anhören. SHR: 61 T – 253 T. WD: 70/day. 

Big|Brave. Album: Vital (2021). Fünftes Album einer kanadischen Post-Metal-Band mit Lady am Micro. „Einzigartig, ein Unikat und Rohdiamant, der mit jedem Schliff neue Seiten für geneigte Gehörgänge freigibt“, meint prettyinnoise. Weinerlich-shizophrener Gesang, ziemlich schroff-brutaler Sound mit sich monoton wiederholenden Sequenzen, die als „atonaler Noise“ auch schon mal nerven können. Ziemlich coole Scheibe, wahrscheinlich ihr bis dato bestes Werk, denke ich. SHR: 31 T – 96 T. WD: n.v. 

Camille. Album: Oui (2017). Es ist etwa das sechste und bislang auch letzte Studio-Album einer französischen Electropop-Sängerin. Das Album schaffte es bis auf Platz 2 der französischen Charts, in Deutschland dürfte sie eher wenig bekannt sein. Mitunter ist ihr softer Pop ganz gut anhörbar. SHR: 438 T – 5.139 T. WD: 12/day. 

Deep Purple. Album: inFinite (2017). Etwa 20. Studio-Album dieser britischen Rock-Band. Für mich ist das zwar eine bedeutende 1970er-Jahre-Band meiner Jugendzeit, aber nach einer zweiten, 7-jährigen Pause ist sie auch seit 2013 wieder sehr aktiv und hat vier neue Alben gemacht, von denen es drei auf Platz 1 der deutschen Charts schafften. Bekanntermaßen sind sie nicht mehr in der 70er-Jahre-Urbesetzung unterwegs, gleichwohl ist die jetzige Besetzung seit 20 Jahren stabil. Mitunter bekommen sie kompositorisch auch noch einen guten Song hin, auf diesem Album z.B. „The Surprising“, aber auf Albumlänge überwiegt der Eindruck, dass es meist gut abgehangene durchschnittliche Rocksongs sind. SHR: 71 T – 3.024 T. WD: 1.044/day. 

Emika. Album: Drei (2015). Viertes Album einer britisch-deutschen Dub-Step/ Trip-Hop-Künstlerin. Kann man anhören, nervt nicht, da eher ruhig. Besonders aufregend finde ich es aber nun auch nicht. Inzwischen gibt es noch drei weitere Alben. SHR: 131 T – 1.419 T. WD: 6/day. 

Flying Circus. Album: 1968 (2020). Siebtes Album einer deutschen Progressive-Rock-Band. Ziemlich retro und verfrickelt wirkend. Überzeugt mich auch gesangstechnisch nicht so wirklich. „Musikalisch komplex und fast in einer Art Rockoper umgesetzt“, meint das musikzirkus-magazin. SHR: 1 T – 9 T. WD: n.v. 

SHR = Spotify-Hörer-Relevanz in 1.000 Zugriffen (= 1 T) je Song. Indikator für relative Bedeutung im weltweiten Raum. 

WD = Anzahl der de.wikipedia-Seitenaufrufe zur Band/Künstlerin pro Tag (als 90-Tage-Mittel), n.v. = keine deutschsprachige wikipedia-Seite vorhanden. Indikator für relative Bedeutung im deutschsprachigen Raum. 

Die Zahlenangaben beziehen sich auf den Zeitpunkt meines Zugriffs.