Freitag, 17. November 2017

Vogel

Momentan bersucht mindestens ein Vogel regelmäßig meinen Balkon und beobachtet mich, wenn ich in der Küche bin - und damit meine jetzt keine unerwünschte Taube.
  
>Motive vom letzten Sonntag

 
Manchmal streue ich etwas Futter aus, aber dieser Vogel buddelt lieber in der Erde.

Sonntag, 12. November 2017

Kinowelten – Sommerhäuser und andere Filme


Sonja Maria Kröner's Film Sommerhäuser erzählt von einer Familie, die Mitte der 1970er Jahre anläßlich des Todes einer Oma in einem großen Garten zusammenkommt. Viele Enkelkinder sind auch dabei. Der Garten mit seinen uralten Bäumen, Baumhäusern und Wildnis-Gebieten hat seine Geheimnisse und birgt Gefahren. Der Film nimmt mal die Persektive der Kinder, mal die der Erwachsenen ein. 

Auch wenn die Zusammenkünfte im Garten Konflikte offenbaren, zumal zu entscheiden ist, was nun weiter mit dem Haus und dem Garten geschehen soll, ist es Verdienst der Regisseurin, aus dem Film keine Soap gemacht zu haben. Das natürliche Spiel der DarstellerInnen erinnert vielmehr an einen französischen Film. 

Ein stimmiges Familienporträt, eine Choreografie des Kleinkriegs zwischen Geschwistern, Tanten und Schwägerinnen, den ein finaler Schlag abrupt beendet“, meint epd-film

Tomas Alfredson's Film Schneemann nach einem Roman von Jo Nesbø spielt an diversen norwegischen Orten, die Schauplätze eines Serienmörders sind, der Schneemänner vor/nach der Tat dort gebaut hat. Der Film kommt relativ nüchtern inszeniert daher, wie in Watte gebauscht, und die Psyche des Serienkillers ist doch wohl etwas eindimensional. 

Als hätte jemand versucht, die vermeintliche Erfolgsformel skandinavischer Thriller – Winter plus gewaltvolle Morde plus viele Handlungsstränge plus kaputte Hauptfigur – abzuspulen, dabei aber übersehen, dass sich ein guter Film nicht berechnen lässt“, meint kino-zeit

Ja, das ist ganz treffend geurteilt. 

Aisling Walsh's Film Maudie erzählt vom Leben der Folk-Art-Künstlerin Maud Lewis, von einer Frau mit rheumatischen Arthritis-Problemen, der in einem kanadischen Küstenort der 1930er Jahre spielt. Von der Bevormundung ihrer Verwandten hat sie bald die Nase voll, zieht aus und als erstbesten Job nimmt sie den einer Haushaltshilfe bei einem mürrischen, analphabetischen und egozentrischen Trödler, Krämer und Fischhändler (Ethan Hawke) an, dessen Haus etwas abgelegen liegt. 

Der Mann ist zunächst keineswegs begeistert von ihr und ihrem „malerischen Tun“, weil sie doch im Haus arbeiten soll und achtet zunächst seine Hunde und Hühner mehr. Aber die Frau (Sally Hawkins) setzt sich durch, und später sieht er ein, dass die naive Malerei, mit der sie gelegentlich auch das Haus „verschandelt“, zusätzliches oder gar mehr Geld einbringt, als seine Arbeit. Sie raufen sich zusammen. 

Ein einfühlsamer Film, der vor allem von seinen Hauptdarstellerin lebt. Critic stellt fest: „Eigentlich leben sie einen ziemlich gegenwärtigen Traum vom unabhängigen Mini-Unternehmen, das aus wenig viel macht“. 

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen? 

Sommerhäuser: ja, vielleicht. 
Schneemann: tendenziell eher unwahrscheinlich. 
Maudie: tendenziell eher unwahrscheinlich. 

Wanderung Hennef - Bröl - Merten

Am vorletzten Samstag war ich in der Siegtal-Gegend wandern. Ich startete am Bahnhof Hennef und ging – bei noch diesig-grauem Wetter – quer über die Siegtalaue vorbei am Allner See zunächst nach Allner. 


>Siegtalaue bei Hennef<
 


 >Schloss Allner, Allner<
 


  >Buchenwald am Bröltalhang bei Bröl<

Am Bröltalhang ging ich durch den Wald hoch Richtung Giersberg und dann wieder nach Bröl runter. Mittlerweile war die Sonne durchgekommen, und es wurde noch richtig schön. 


>Blick auf Bröl, Bröl-Motiv unten<


Ich querte das Bröl-Tal, stieg nach Bödingen hoch, ging runter nach Halberg, querte das tief eingeschnittene Halberger Bachtal und stieg wieder hoch nach Niederhalberg. Immerhin gab es hier Trafo-Turmstationen zu sehen.


>Inaktive Trafostation in Bödingen<



>Heiligenhäuschen, Bödingen<



>Aktive Trafostation in Niederhalberg. Dort war ich wahrscheinlich noch nie zuvor.<

Ich nahm dann einen tollen Pfad runter zum Siegtal. Nordwestlich der Bahnstation Merten, die Endpunkt meiner Wanderung war, bildet die Sieg eine Schleife, die den Hang steil angeschnitten hat. Ein schöner schmaler Pfad verläuft hier im Hang vorbei an Felsen oberhalb der Sieg. 


>Siegpfad am Stachelberg<
 


>Motiv Siegtalaue nördlich der Bahn-Haltestelle Merten mit Blick auf den Stachelberg und Paragliding am Himmel<

12,5 km war die Tour ungefähr lang, und es ging häufig ziemlich steil hoch und runter. 

Bücherwelten: Jason M. Hough's „Darwin City“


Der Roman „The Darwin Elevator“ (2013) des US-Autors Jason M. Hough schaffte es auf die New-York-Times- Bestsellerliste, aber so wirklich nachvollziehen konnte ich das nicht. 200 Jahre in der Zukunft angesiedelt, erzählt der Roman von der australischen Stadt Darwin City, die unter dem Schutzschild eines Weltraum-Lifts Zufluchtsstätte der vielleicht letzten Menschen geworden ist, während eine Zombie-artige Seuche den Rest der Welt heimgesucht und die Zivilisation zerstört hat.

Einige wenige Personen sind auch immun gegen die Seuche. Mit den letzten funktionsfähigen Flugzeugen fliegen sie manchmal raus in die Welt, um in den Ruinen der Zivilisation wertvolle Gegenstände zu bergen. Das birgt Gefahren. 

Den weitaus größten Teil des Buches nimmt jedoch ein Machtkampf um die Ressourcen in Darwin City selbst ein. Und dieser Machtkampf zwischen der Stadt und den besiedelten Raumstationen am Lift ist zwar hinlänglich spannend und flüssig erzählt, führt die Geschichte aber nicht unbedingt stringend weiter und lässt – zumindest in der deutschen Übersetzung – auch keine besonderen stilistischen Merkmale erkennen. 

Die Charaktere der Handlung sind ziemlich schablonenhaft in gut und böse aufgeteilt. 

Mittlerweile gibt es zwei Fortsetzungen des Autors.

Samstag, 4. November 2017

Eine Wanderung nordöstlich von Oberkassel

Am letzten Mittwoch, Allerheiligen, war ich wieder unterwegs. Ausgangs- und Endpunkt der 15 – 16 km langen Wanderung war der Bahnhof Oberkassel. 

Zunächst ging ich runter zum Rheinufer, wo ein neues Freizeit- und Gewerbegebiet am Standort der ehemaligen Rohmühle entstanden ist. Ich wollte nochmals den historischen Wasserturm photographieren. Indes, der wird gerade saniert und versteckte sich leider hinter Planen. Ansonsten ist dort aber viel los gewesen, da schönes Wetter war und es Außengastronomie, Spielplätze etc. gibt. 


>An der Rohmühle, Oberkassel<

Wenn man am Rhein weiter geht, kommt man zu einem tiefem Einschnitt. Hier verkehrte zwischen 1870 und 1914 eine Zugfähre über den Rhein. Eine Lokomotive schob die Waggons auf die Fähre und auf der anderen Seite schleppte sie eine andere Lokomotive wieder von der Fähre ans Ufer. Es gibt dort ein historisches Bildmotiv auf einer Tafel: 


Ich ging weiter durch Bonn-Limperich und über den Finkenberg, in dem es historische Basalt-Steinbrüche gibt. Einen davon schaute ich näher an, aber sehr viel gab es dort nicht zu sehen. 


>Relikt im Steinbruch, Finkenberg<

Danach ging ich durch den Buchenwald am Ennert nach Holzlar und durch Roleber. Ich kam am Gut Ettenhausen, heute ein großer Reiterhof, vorbei und ging nach Ungarten, da ich aus der Ferne am Ortsrand schon eine Trafo-Turmstation sah, die ich natürlich photographieren musste.


>Heiderhof<

 

>Trafo-Turmstation, Ungarten<

Ich kam wenig später durch Oberholtdorf. Am größten Hof gibt es einen Teich, an dem ein Graureiher stand: 


>Teich, Oberholtorf. Auch auf dem oberen Bild sieht man den Graureiher - jedenfalls, wenn man weiss, wo er steht.<


Am Ortsrand fand man Grundmauern und Kindergräber einer frühchristlichen Kirche. Den Kirchengrundriß hat man hier mit Steinplatten nachgestellt: 


Über Felder ging ich dann zu den Ausläufern des Siebengebirges, die in einem tief eingeschnittenen Buchenwald-Tal nach Oberkassel abfallen. 


 >Landschaft südlich von Oberholtorf<



 >Buchenwald im Tal nach Oberkassel<

Point gesetzt am Teich in Oberholtorf auf der Weltkarte bei stories-and-places.com
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Kinowelten – What Happened To Monday? und andere Filme


Eine Zeitreise.

57 Jahre nach der Einführung der Antibabypille und nachdem diese Erfindung im Weltmaßstab völlig unzureichend erfolgreich war (die Bevölkerung stieg von 3,0 auf 7,8 Md. Menschen seither), schaffte es der norwegische Regisseur Tommy Wirkola mit seinem in naher Zukunft angesiedelten und z.T. in Bukarest gedrehten SF-Film What Happened To Monday? mal wieder, das vergessene Thema „Überbevölkerung“ in einem dystopischen Science Fiction anzugehen. 

Natürlich, denn niemand traut heute der menschlichen Vernunft der großen Masse der Wähler oder gar dem auf hemmungsloses ewiges Wachstum ausgerichtetem kapitalistischen System, um dieses Problem zu lösen, ist es eine Diktatur, die sich dem Thema annimmt und die Ein-Kind-Politik verkündet. Die dennoch überschüssig geborenen Kinder und Personen sollen zwangseingefroren werden. 

Der Film zeigt die Menschenmassen in einer Mega-Metropole und den Überwachungsstaat, der an „1984“ erinnert. Überall Identitätsscanner. Er handelt von Siebenlingen, die der Vater (Willem Dafoe) dem Staat verheimlicht und in der Wohnung heimlich groß zieht. Die Mädchen erhalten die Namen Monday bis Sunday und lernen als eine einzige Person aufzutreten, von der jede einmal die Woche Ausgang hat. Die Lektionen, die der Vater erteilt, können brutal sein, doch ca. 25 Jahre lang geht das gut. 

Eines Tages fliegen die jungen Frauen (Noomi Rapace) dennoch auf, als Monday verschwindet und müssen fortan um ihr Leben kämpfen. Sie finden zudem heraus, dass die gefangen gesetzten Personen keineswegs eingefroren, sondern einer Verbrennungskammer zugeführt werden. 

Insgesamt ein interessanter, kurzweiliger Film. Qualitative Abstriche wegen zu viel Brutalität und Action in der zweiten Hälfte des Films sind aus meiner Sicht dennoch zu machen. 

Und am Ende schreien die Babys in einer Geburtsstation so schrill und so laut, dass die Konsequenz des Weiter-so sich akustisch auf überwältigende Weise präsent macht. Es ist eben wirklich einfach zum Heulen“, meint die faz. Wohl wahr. 

Ruben Östlund's Film The Square, angesiedelt in Schwedens Hauptstadt Stockholm, demontiert unsere westliche Gesellschaft. Der Film handelt von einem Museumsdirektor, dem der Kunstbetrieb und sein Privatleben langsam aber sicher aus dem Ruder laufen. Immer spektakulärere Auftritte des Museums sind notwendig, um bei Mäzenen, Presse und Publikum Aufmerksamkeit generieren zu können. Ein Kunstwerk namens „The Square“ spielt dabei eine wichtige Rolle. 

Und dann kommt dem Kunstdirektor auch noch bei einer sonderbaren Aktion in der Fußgängerzone sein Portemonnaie abhanden, dass er aber am Computer orten kann. Und die BettlerInnen wollen auch jeden Tag Geld. 

Folgt man der zeit, geht es dem Regisseur darum zu zeigen, „wie sich unser Verantwortungsgefühl im öffentlichen Raum verändert“. 

Der überlange Film kommt kurzweilig ganz gut über die Runden und das liegt nicht nur an der aus dem Trailer hinlänglich bekannten Gorilla-Szene. In Cannes errang der Film die Goldene Palme. 

Denis Villeneuve nimmt sich in seinem Film Blade Runner 2049 mit Ridley Scott's Meisterwerk „Blade Runner“ (1982) einen kultigen Film zur Vorlage seiner düster-dystopischen Zukunftsversion. Die Filme wiederum basieren wiederum auf den Roman „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ (1968) des US-amerikanischen Schriftstellers Philip K. Dick. Ich kenne den Roman nicht, wie ich überhaupt nur relativ wenig von dem Autor kenne. Die Bücher sind alt, und ich traue der Übersetzungsqualität nicht so recht, außerdem muss man mit Kürzungen im Romantext rechnen - daran liegt es wohl. 

Erzählt wird im Film von einem Blade Runner, einem Jäger, der Jagd auf nahezu menschliche Androiden macht. Die Stadt, zyklopisch groß, ausfransend in Ruinen und Ödland. Bewohnt erscheint die Stadt im Film kaum, es gibt auch kaum Verkehr. In den Ruinen leben jedoch Menschen. 

Und ist die Neuverfilmung nun besser? Ich habe Zweifel, allerdings ist es um die 10 Jahre her, dass ich zuletzt meine Blade-Runner-DVD sah. Zu denken gibt mir aber, dass die 163 min. lange Neuverfilmung sich gefühlsmäßig lang hinzog, es gibt auch viele lange Einstellungen, und erst in der letzten halben Stunde gewinnt der Film wirklich an Fahrt. 

Visuell gibt es so Einiges zu sehen. Ruinenfelder, Mülltransporter. Der Blade Runner hat eine digitale Freundin, nach seinen Wünschen gestaltet, die durch seine Wohnung schreitet. In einer schönen Szene synchronisiert sie sich mit einer echten Frau, um attraktiver zu werden. Wer Projektion, Android oder echter Mensch ist, bleibt etwas verschwommen. Das ist aber nicht schlecht, denn Auseinandersetzungen mit der Frage nach dem Wesen der Realität, sind ein Kernanliegen in Dick's Romanen gewesen.  

Mehrfilm meint, „nur selten gelingt es der Fortsetzung von Villeneuve, trotz einer generell bedrückenden Atmosphäre, die melancholische und einsame Stimmung von „Blade Runner“ ... einzufangen“. Das trifft es ganz gut. 

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen? 

What Happened To Monday?: ja, vielleicht. 
The Square: ja, vielleicht. 
Blade Runner 2049: tendenziell nicht ganz ausgeschlossen.