Montag, 31. Juli 2017

Kinowelten – Die Erfindung der Wahrheit und andere Filme


John Madden's Film Die Erfindung der Wahrheit erzählt von einer Profi-Lobbyistin (Jessica Chastain), die mit ihrem Team, das sie wie Schachfiguren leitet, für die Waffenindustrie arbeiten soll, aber kündigt, gleichzeitig den Großteil des Teams mit abwirbt und zur Gegenseite wechselt. Nach den ersten lobbyistischen Siegen der Frau, fängt die Waffenindustrie an, schmutzige Wäsche zu waschen und zerrt sie vor einen Untersuchungsausschuss. 

Aber die Frau und ihr Team sind gut vorbereitet und verursachen einen pressewirksamen Skandal um die Waffenindustrie. 

Super Rolle für Frau Chastain, sie kann beeindrucken. 

Der Kontrast zwischen der zynischen Kälte ihrer Figur und der feinnervigen Sensibilität der Schauspielerin gibt diesem Film ein Charisma, das er eigentlich nicht verdient hat“, sagt die zeit. Mannomann, so gut texten, müsste man mal selbst hier können. 

Der Film Meine glückliche Familie von Nana Ekvtimishvili & Simon Groß spielt in Georgiens Hauptstadt Tiflis/Tbilisi und handelt von einer Frau, die in beengten Verhältnissen zusammen mit ihren Eltern, ihren Kindern und dem Ehemann dort in einer Wohnung lebt. Im Laufe der Jahre hat sie davon dann allerdings die Nase voll, verkündet ausziehen zu wollen und setzt das um, um alleine in einem anderen Viertel in einem Plattenbau zu leben.

Unter georgischen Verhältnissen ist das ein Affront, aber die Kontakte mit ihrer Familie, die nix verstehen will und Angst hat, das Gesicht gegenüber den Nachbarn und Bekannten zu verlieren, reißen nicht ab. Man kommt sich wieder näher, aber die Frau beharrt standhaft darauf, auch zukünftig in jedem Fall alleine wohnen zu wollen. 

Der Film gibt einen guten Einblick in georgische Familienverhältnisse und zeigt nebenbei auch schöne Bilder aus dieser interessanten, etwas marode wirkenden Stadt. Insgesamt ein guter Film, der etwas mit seinem abrupten Ende schwächelt. 

Mit einer geradezu pädagogischen Geduld zeigt My Happy Family auf, wie bestimmte Rollenbilder vermittelt, aufgenommen, verinnerlicht, reproduziert oder gebrochen werden“, meint critic

Sönke Wortmann's Film Sommerfest nach einem Roman von Frank Goosen erzählt von einem Theater-Schauspieler, der seit über 10 Jahren in München arbeitet und anlässlich des Todes seines Vaters zur Beerdigung nach Bochum zurück kehrt. Er trifft dort alte Bekannte und Liebschaften wieder. 

Der Film wirkte auf mich überwiegend nach Fernsehsoap, und die einzige tiefere Wahrheit, die ich mitzunehmen vermochte, ist wahrscheinlich der Sachverhalt, dass ein Fortzug zu Entfremdung von der Heimat führt.
Plausibel rüberbringen konnte der Film allerdings auch nicht, weshalb jemand zwecks Arbeitssuche nach München zieht und sich anscheinend niemals mehr in der Heimatstadt blicken liess.

Sommerloch für Cineasten“, titelt der filmaffe

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen? 

Meine glückliche Familie: ja, vielleicht. 
Die Erfindung der Wahrheit: ja, vielleicht. 
Sommerfest: tendenziell eher nicht. 

Dienstag, 25. Juli 2017

Bücherwelten: Kinder des Jacarandabaums


Sahar Delijani's Debut-Roman „Kinder des Jacarandabaums“ (orig.: Children of the Jacaranda Tree, 2013) spielt in Teheran und in Turin in den Jahren 1983 – 2011. Die Autorin, die selbst in einem Teheraner Gefängnis geboren wurde, erzählt sicher teil-autobiographisch von den Geschehnissen nach der Revolution und Machtübernahme des Ajatollah Chomeini, der nach und nach sämtliche oppositionelle Gruppen ausgeschaltet hat. Davon waren auch die Frauen betroffen, die zum Teil in der Opposition gearbeitet haben. 

Der Schwerpunkt ihrer Geschichte, die nicht streng chronologisch erzählt wird, liegt dabei auf der Frauenperspektive sowie auf den Familien, die vielfach auseinandergerissen wurden, weil Angehörige ins Ausland emigrierten und andere daheim blieben – oft ohne die Männer, die im Gefängnis saßen und Jahre später möglicherweise auch hingerichtet wurden. 

Hier wird Familiengeschichte aufgearbeitet, wobei die Autorin selbst nur bis zu ihrem 13. Lebensjahr im Iran lebte, dann in die USA und später nach Italien zog. Vieles weiss sie daher nur vom Hörensagen ihrer eigenen Verwandten und Bekannten, und ihr Schreibstil ist zudem amerikanisch geprägt, wodurch insgesamt der authentische Eindruck etwas leidet. 

Von bücherrezensionen wird bemängelt, dass die politischen Vorgänge und Hintergründe absichtlich ausgespart werden. 

 Das Buch hängt in der Mitte etwas durch, kann aber besonders am Anfang und Ende der Geschichte überzeugen.

Samstag, 22. Juli 2017

Ein Spaziergang südlich von Bornheim und Waldorf

Am letzten Sonntag. Nachdem ich bereits am Vortag unterwegs war, reichte ein Spaziergang am Nachmittag (8,5 km). Mal gucken, was der Gemüseanbau so macht. 

Von der Straßenbahn-Haltestelle in Bornheim, die in den nächsten Wochen wegen Baumaßnahmen auf der Bahnstrecke ohne Umstände nicht mehr erreichbar sein wird, ging ich zur Kirche nach Brenig hoch. 



Bald hinter der Kirche kommt man auf die Felder. Zwiebeln, Zucchini, Artischocken sah ich schon bald wachsen. 


>Zucchini<



>Ein Blick zurück über die Gemüsefelder Richtung Kirchturm Brenig

Ich folgte dem Bachtal, das etwas oberhalb zu einem gestauten (altbekannten) Teich führt.


Die oberhalb tief eingeschnittene Bachaue ist dicht bewaldet, am Waldrand waren einige Käfer in den Blüten der Feldrain-Pflanzen zugange.


>Käfer. Der obere Käfer könnte vielleicht ein weiblicher Rothalsbock sein, der untere Käfer vielleicht ein Vierbindiger Schmalbock.<


Später gab es Bodenerosion in Form von Abschlämmprozessen auf einem Fenchelfeld zu sehen.


>Fenchel-Feld südlich Brenig, unten Ernte


Zwischen Römer- und Lückenhof und auch später noch südlich von Üllekoven gab es bemerkenswert große Salatfelder auf der Hochfläche zu sehen:


>Abgesehen von den Salatfeldern sieht man im Hintergrund die Kirche von Brenig

Teilweise wurde hier auch bereits bewässert, was nach den ergiebigen Regenfällen der beiden letzten Tage wohl nun erst mal nicht mehr notwendig ist.

  
>Bewässerung südwestlich von Brenig

In Waldorf nahm ich die Bahn zurück.

Point gesetzt nahe dem Fenchel-Feld auf der Weltkarte bei stories-and-places.com

Donnerstag, 20. Juli 2017

Eine Wanderung südlich von Bad Neuenahr-Ahrweiler

Am letzten Samstag war es bei angesagten 21 Grad deutlich kühler. 


>Sanatorium, Bad Neuenahr

Ich fuhr nach Bad Neuenahr. Südlich des Ortes kann man einen wenig begangenen alten Hohlweg durch den Wald Richtung Fürstenberg-Höhe hochgehen und dem sich dahinschlängelnden Weg noch mehrere Kilometer im Wald folgen. Es ist schon möglich, dass man hier (ohne GPS) etwas die Orientierung verliert.


>Hohlweg

Auf einer Wege-Waldlichtung standen viele Blumen und waren diverse Insekten zu beobachten:


>Käfer. Mit der Hypothese, dass es sich oben um einen männlichen Rothalsbock (die Weibchen sehen markant anders aus) handelt und unten um einen Kratzdistelrüssler, habe ich mich jetzt schon ziemlich weit vorgewagt.<






Ich kam zum Tiefbachtal, an dessen dicht bewaldeten Quellbereich die UNI Bonn vor über 50 Jahren die Ruinen eines römischen Gutshofes vermaß. 


>Römischer Gutshof, Tiefbachtal

Steine über Steine, mal eine Grundmauer – mehr sah ich nicht. Irgendwo, irgendwann lauerte vor über 1.500 Jahren in dieser auch heute eher abgelegenen Gegend wohl der Tod, und später verfiel alles, der Wald holte sich die Gegend zurück.


Oberhalb des Bachemer Bachtals ging ich zurück, nahm jedoch eine nordwestliche Richtung vorbei an Godeneltern mit seinem kasernenartigen, gesperrten Gelände. Die Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz hat dort ihren Sitz. 


>Blick auf Kloster/Schule Calvarienberg

Am Calvarienberg sah ich vor knapp 2 Jahren eine große Schlingnatter. Das war jetzt auch der Fall, allerdings 700 m Luftlinie südöstlich. Wir waren nicht vorbereitet, die Schlange schlief im sonnig-warmen flachen Gras des Weges und ich schaute woanders hin - und trat fast drauf. Wir einigten uns, kein Biss, kein Photo. Verdammt, das lief schon mal besser! In Ahrweiler aß ich nur ein Eis und fuhr nach Hause.


>Ein Sanatorium in Ahrweiler

Ca. 15,5 km war diese Tour lang. 

Point gesetzt nahe dem römischen Gutshof auf der Weltkarte bei stories-and-places.com.  

Freitag, 14. Juli 2017

Bücherwelten: Clive Barker's Bücher des Blutes I - III

In den 1980er Jahren erschienen Die Bücher des Blutes I – VI des britischen Autors Clive Barker. Es sind Horror-Geschichten, die sehr erfolgreich waren und mitunter auch Preise wie den World Fantasy Award gewannen. Eine ganze Reihe dieser Geschichten las ich schon in diversen Phantastik-Anthologien der 1990er Jahre. 

Im Jahr 2003 veröffentlichte der in 2008 bankrott gegangene Area-Verlag die „Bücher des Blutes“ in zwei jeweils 800 Seiten dicken gebundenen Wälzern, die ich mir vor langer Zeit mal bei „2001“ zulegte. Den ersten dieser Wälzer habe ich jetzt endlich durchgelesen. Es hat lange gedauert, mir fehlt es an Zeit, und es ist mitunter anstrengend (was vielleicht auch an der Übersetzung liegen könnte). 

Wie der Namen schon erwarten läßt, es geht düster und blutig zu in diesen Geschichten, Blut spritzt, Eingeweide und Körperteile fliegen umher, scheußliche Metamorphosen zerreissen die in Besitz genommenen oder infizierten Körper. 

Es sind (zum Glück) keine herkömmlichen Serienkiller- und Psychopathen-Geschichten. Hier haust vielmehr das archaische Grauen, seien es Dämonen, glibbrige Monster, ein 3 m großes menschenartiges Ungeheuer, dessen Grab ausgebuddelt wird, lebendig werdende Statuen oder die auf einer Pazifik-Insel begrabenen Ertrunkenen, deren Ruhestätte gestört wird. 

„Die Bücher des Blutes“ gelten als Meilensteine der Horror-Literatur. Man kann sie auch heute noch günstig in zwei Bänden kaufen. Wer z.B. bei Amazon schaut, sieht, dass der Nikol-Verlag sie in 2015 erneut veröffentlicht hat.

Sonntag, 9. Juli 2017

Kinowelten - Innen Leben und andere Filme


Philippe Van Leeuw's Film Innen Leben spielt in Damaskus, in einer Wohnung bzw. im Hof unten. In Syrien herrscht bekanntlich Krieg, und die Stadt ist unsicher geworden. In der Wohnung hat sich eine Familie mit Bekannten verschanzt. Raus gehen ist gefährlich. Sie beobachten versteckt, was draußen vor sich geht. Es gibt Scharfschützen, es gibt Banditen, manchmal Detonationen. Eine Person aus der Wohnung liegt verletzt oder tot im Hof, und jemand Anderes will rein in die befestigte Wohnung, notfalls mit Gewalt. 

Dramaturgisch stellt dieser Film die beiden folgend beschriebenen Filme weit in den Schatten. Gedreht wurde er im Libanon. Auf der Berlinale 2017 gewann der Film den Publikumspreis. 

Der Film „zeigt nur wenig konkrete Gewalt und keinen einzigen Toten. Der Film vergegenwärtigt vielmehr, wie der Krieg Menschen zerstört, auch ohne sie zu töten“, stellt choices fest. 

Sofia Coppola's Film Die Verführten erzählt eine Geschichte aus einem Mädchenpensionat zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert. Das Pensionat liegt sehr abgelegen in einem Wald. Eines Tages schleppt sich ein verletzter Soldat der gegnerischen Truppen in den Park und wird zwecks Pflege von den Frauen und Mädchen aufgenommen. Doch mit zunehmender Genesung beginnt sich der Soldat für die Mädchen zu interessieren und ist dabei nicht wählerisch.Es kommt zu Verwicklungen, die für den Soldaten ein gestaffelt böses Ende nehmen. 

Filme von Frau Coppola sind nicht so mein Ding, ich habe aber auch schon lange keinen Film mehr von ihr gesehen. Auch dieser neue Film wollte mich nicht so recht überzeugen, obgleich Nicole Kidman als resolute Chefin des Pensionats den Film doch retten kann und der Schauplatz des Geschehens auch Pluspunkte sammeln kann. 

Mit „ein Film voller dunkler Sehnsüchte in einer schon fast verwunschenen Welt“, beschreibt kino-zeit die Atmosphäre und den Ort. Das sollte mir zusagen, aber vermutlich war mir die Story zu handlungsarm. 

Robert Budreau's Film Born To Be Blue erzählt aus dem Leben des 1988 gestorbenen Jazz-Trompeters Chet Baker (überzeugend gespielt von Ethan Hawke), der bereits um ca. 1955 von Heroin abhängig wurde. Der Jazz, die Drogensucht, seine Zahnprobleme sowie sein in wikipedia nicht thematisierte Verhältnis zu den Frauen bilden den Schwerpunkt des Films, der ca. zwischen 1955 und 1978 spielt. Baker hatte demnach immer schöne Frauen um sich (sofern er nicht im Gefängnis saß), die ihn allerdings wegen seiner Drogensucht auch immer verließen. 

Der Film wirkt authentisch und kann als Biographie mit guten SchauspielerInnen überzeugen, ohne stilistisch besonders aufregend zu sein. 

Über die Kunst als solche ... erfahren wir übrigens nichts“, meint die zeit zum Thema „Jazz“ im Film. Und die Geschichte mit den Frauen ist vielleicht auch nicht ganz realistisch. 

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen? 

Innen Leben: ja, vielleicht. 
Die Verführten: tendenziell eher nicht. 
Born To Be Blue: tendenziell eher nicht. 

Freitag, 7. Juli 2017

Im dunklen Wald

Am letzten Samstag – bei hypothetisch möglicher Regengefahr – wollte ich nicht so weit weg fahren, um etwas zu wandern. Ich fuhr deshalb nach Bonn-Bad Godesberg, um durch den Kottenforst zu gehen, vorzugsweise nach Meckenheim. 



>Sumpfige Kuhlen im Waldboden, alte Eiche, Kottenforst unweit von Schweinheim<


Allerdings hatte ich meine Karte vergessen und kam in Meckenheim – wie zu erwarten war - nicht an.


>Teich im Wald unweit vom Annahof, unten. Eine marode Siloanlage und eine Trafostation gehören auch zum Hof.<

Die Rodungsinsel am Annaberger Hof wollte ich durchqueren. Viele Pferde sieht man hier verstreut auf den großen Weiden:




>Ein Salzstein. Den mögen die Pferde - und danach ist Saufen angesagt.<



  
>Das Pompesel-Biotop am Annaberger Hof. Vom Wasser dort war nicht mehr viel da. Frösche sah ich deshalb nicht.

Die Durchquerung der Rodungsinsel schaffte ich auch, aber bald danach verlor ich dann doch die Orientierung und stand nach 3 km Waldweg wieder an der Rodungsinsel, wenn auch an einer anderen Ecke. Meckenheim ist zu weit weg, um zusätzlich noch 5 km Umweg zu machen, also ging ich wieder – einen anderen Weg – nach Bad Godesberg zurück. 


>Die steile Nordost-Abdachung des Ville-Rückens zerschneiden tiefe Waldtäler bei Friesdorf.<


Knapp 13 km war diese Tour wohl lang – und das reichte auch. Anders als in Aachen oder Düsseldorf regnete es nur ein paar Tropfen, der Himmel war aber mitunter stark bewölkt, und es war ganz schön dunkel im Wald. 

Point gesetzt nahe dem Annaberger Hof auf der Weltkarte bei stories-and-places.com

Dienstag, 4. Juli 2017

Mein Balkon im Juni

Es blühte relativ viel, insbesondere die neue Clematis, aber auch vor allem Lilien, von denen ich im Frühjahr etliche Knollen im Boden vergraben hatte. Die gab's bei ALDI. Der Nachteil dieser großen farbenprächtigen Blüten ist allerdings, dass sie nach einer Woche ungefähr verblüht sind und abfallen. 
  
>Clematis


 
>Lilien

Das Besondere sind allerdings die Wiesenblumen, von denen ich kleinere Saatteppiche im Rhein-Sand vergraben hatte: 
  
Ich habe aber keine Ahnung, was dort nun konkret blüht(e).