Montag, 10. November 2025

Im Kino: Bugonia

Yorgos Lanthimos' neuer Film ist über weite Strecken ein bizarrer Verschwörungstheorie-Streifen mit einsuggeriertem Hinterwäldler-Milieu. Zwei abgehalfterte Typen, die in einem abgelegenen Haus wohnen und von denen der eine etwas geistig zurückgeblieben und manipulierbar ist und der andere irren Theorien nachhängt, entführen die Chefin eines Agrar-/Gentechnik-Konzerns in ihr Haus, weil sie sie für ein Alien aus dem Andromeda-System halten. 

Ihr Ziel ist, auf das Raumschiff der Frau mitgenommen zu werden, um mit deren Chef zu verhandeln. Die Frau leugnet Ihr Alien-Dasein und die Existenz des Raumschiffs natürlich, aber sie wird gefoltert und muss eine andere Strategie einschlagen. 

Blutige Splatter-Szenen wie hier gibt es üblicherweise oft nur in einigen Horror- oder Serienkillerfilmen zu sehen – und von letzteren ist der Film auch nicht allzu weit entfernt. Seit der Regisseur mit dem Film „Poor Things“ (2023) in Venedig den Goldenen Löwen gewann, ist er „in“ und kann Kinozuschauer anlocken, die sonst wohl eher nicht solche Filme gucken. 

Aber die Geschichte ist schon komplexer, das wird gegen Ende des Films deutlich, als die Aliens die Menschheit als hoffnungslosen Fall aufgeben. Insoweit ist dem Regisseur hoch anzurechnen, auch eine politische Botschaft bezüglich Klimaschutz und Artensterben einzubringen. 

Der Regisseur „interessiert sich dafür, wo Wahrheit endet und Wahn beginnt. Sein Film besitzt jene Mischung aus gesellschaftlicher Analyse und surrealer Überhöhung, für die sein Werk bekannt ist“, so kinomeister.

Dienstag, 4. November 2025

Im Kino: Amrum

Fatih Akim's Film spielt 1944/45 auf Amrum. Die Nordseeinsel wird langsam von Flüchtlingen überschwemmt, die Ernährung zu Ende des 2. Weltkriegs ist spärlich, von Vielem, etwa Butter, Honig, Weizenbrot kann man nur noch träumen.

Aus der Perspektive eines Jungen erzählt, kann man sich eine Vorstellung vom Leben auf der Insel damals machen. Die Kartoffelernte wird gezeigt oder das Räuchern von Schollen, das Jagen von Kaninchen oder das Stehlen von Eiern wilder Gänse.

Filme dieser Art über das Leben in Nazi-Deutschland haben viele Vorbilder, auch die Kinderperspektive. Stilistisch konnte ich nicht viel Besonderes am Film ausmachen, manche Szenen wirken austauschbar, aber der Schauplatz (Insel) ist schon originell und das Ende des Films gefiel mir.

Der Regisseur legt Wert darauf, ideologische Indoktrination zu zeigen, hier besonders am Beispiel der Mutter des Jungen, die in tiefer Depression verfällt, als Hitlers Tod bekannt gegeben wird, aber auch ideologische Spaltung. Natürlich war nicht jeder Anhänger des Regimes.

Insgesamt wirkte der Film auf mich gut ausbalanciert, aber vielleicht reicht es dennoch nicht für einen Platz in meiner Jahresbestenliste.

"Ein über weite Strecken angenehm zurückhaltendes Werk", resümiert film-rezensionen.

Montag, 3. November 2025

José Luis Peixoto's Roman "Das Haus im Dunkel"

Vor meinem Flug nach Porto habe ich mir gedacht, einen Roman eines portugiesischen Autors als Reiselektüre auf mein e-Book zu laden. Tatsächlich denke ich, noch nie zuvor einen portugiesischen Roman gelesen zu haben. 

Der ausgesuchte Roman erschien im Jahr 2002 und war das erste seiner Bücher, das 2015 auf deutsch erschien. Der Autor ist renommiert, war relativ jung damals, geboren 1972, und ich frage mich schon, wie er ein so düsteres Werk schreiben konnte. 

Es ist surreale morbide Gothic pur, und stilistisch fällt es mir schwer, das zu beschreiben oder überhaupt zu sagen, was hinter diesem relativ schmalen Roman steckt. Liebe, Nächstenliebe, Betrug, Ohnmacht, Verstümmelung, Vergewaltigung, Verwesung sind alles Themen in diesem Roman. 

Der Roman ist weder örtlich noch zeitlich genauer einzusortieren. Er spielt weitgehend in einem dunklen Haus mit Innenhof, aber auch auf einem Friedhof und handelt von einer Gruppe von Leuten, die im Haus wohnen oder manchmal zugegen waren. Auch gibt es viele Katzen dort. Aber leben die Personen oder sind sie tot, oder ist das alles ein Fierbertraum? 

Irgendwann wird das Haus bzw. die ganze Stadt von fremdsprachigen Fremden überfallen, und viele Personen werden verstümmelt. Dem Erzähler, einem Schriftsteller, werden beispielsweise Arme und Beine abgeschlagen, einem seiner Freunde das Herz herausgerissen. Sie leben jedoch alle weiter und müssen sich, jetzt eingesperrt im Haus, gegenseitig helfen. Dann gibt es noch die Sklavin im Haus, die zwar nicht verstümmelt, aber alle paar Tage von einer Gruppe von Männern in Rüstungen mit Bärten bis zum Bauchnabel auf's Bett geworfen und vergewaltigt wird. Es kommt dann noch eine Seuche hinzu, die dazu führt, dass sich Flecken auf der Haut bilden und das Fleisch langsam verfault. 

Denke niemand, der Roman spiele im finsteren Mittelalter, es gibt Autos. 

Ich denke nicht, dass dies die richtige Reiselektüre war. Aber Hardcore-Anhänger*innen der Schwarzen Szene und von Nenia C'Alladhan könnten vielleicht Gefallen an der Atmosphäre dieses Romans finden. 

Es ist nicht viel Erhellendes über dieses Buch im Netz zu finden. Von einer geringen Verbreitung ist auszugehen.

Meine Woche (KW 44/2025)

Gemacht: die Reise in Frankreich fortgesetzt, Lille und Brüssel in Belgien besucht, im Atomium gewesen, nach Köln zurückgekehrt, Spaziergänge in der Südstadt, mit Freund in der Braustelle (Ehrenfeld) Kölsch getrunken.

Gekauft: Übernachtungen, Zugfahrten.

Gedacht: die Maus hat während meiner Abwesendheit ganze Arbeit geleistet in der Speisekammer, besonders beim Knäckebrot und den Butterkeksen.

Gesehen: alte Gemäuer, Zitadelle von Lille, Atomium, Parks.



>Atomium, Brüssel<

Gelesen: José Luis Peixoto's Roman "Das Haus im Dunkel" beendet.

Gefunden im öffentlichen Bücherschrank des Rheinauhafens Ha Jin's Roman "Warten".

Gegessen: als ich von Brüssel nach Köln zurück kam, hatte ich richtig Hunger und aß gebratene Nudeln mit Huhn und Gemüse im Asiagourmet im Hauptbahnhof. Das war richtig lecker und sicher das Highlight der Woche.

Getrunken: Kaffee, Orangensaft, Zitronenlimonade, Bier, Kölsch. 

Gehört: Musikkonserven von Hey Colossus, Hölderlin, Hop Along, Hope Sandoval & The Warm Inventions.

Gegangen: durchschnittlich 14.900 Schritte/Tag (6.500 – 21.200).

Gefühlt: ganz gut. Und es wurde wirklich Zeit, aus dem Urlaub zurückzukehren, da es immer früher dunkel wird und das Wetter schon längst nicht mehr so ansprechend war wie anfangs vor 5 Wochen in Portugal/Spanien.

Fazit: vergleichsweise ereignisreiche Woche mit sehr durchwachsenem Wetter.

Reiseberichte bei unterwegsnahwehfernweh.blogspot.com

Montag, 27. Oktober 2025

Meine Woche (KW 43/2025)

Gemacht: die Reise in Frankreich fortgesetzt, Arcachon, La Rochelle, Tours und Paris besucht, auf der höchsten Düne Europas (Dune du Pilat) herumgewandert.

Gekauft: Übernachtungen, Zugfahrten. Es ist hier schon deutlich teurer als in Spanien.

Geappt: zwei Apps für die Pariser Metro; habe sie aber nicht verwendet, da es zu viele bedenkliche Kritiken zu Fehlfunktionen gab. 

Gesehen: neben der Dünenlandschaft vor allem alte Gemäuer und städtisches Leben in Paris, natürlich auch die Seine in Paris.


>Bouquet of Tulips von Jeff Koons, Paris<

Gelesen: in José Luis Peixoto's Roman "Das Haus im Dunkel".

Gegessen: nichts Besonderes.

Getrunken: Kaffee, Säfte, Bier

Gehört: Windgeräusche waren wohl das Auffälligste, das konnte schon mal Pfeifen oder auch das Prasseln von Sandkörnern auf das Regencape auf der Düne sein.

Gegangen: durchschnittlich 19.900 Schritte/Tag (8.200 – 23.800).

Gefühlt: ganz gut. Die Erkältung hält allerdings an, und diese Woche gab keinen Anlass, Besserung zu erwarten, da es oft regnete und windig war.

Fazit: vergleichsweise ereignisreiche Woche mit sehr durchwachsenem Wetter.

Reiseberichte bei unterwegsnahwehfernweh.blogspot.com