Montag, 11. Februar 2019

Bücherwelten-Romane

Die Idee, Büchern eine wichtige Rolle in einem Roman oder einer Erzählung beizumessen, ist uralt. Wenn diesen Büchern dann eine „magische Kraft“ innewohnt, weil sie beispielsweise wirksame Zaubersprüche enthalten oder Pforten in andere Welten öffnen, bewegen wir uns direkt im Bereich von Fantasy und/oder Phantastik. 

Es gibt - auch international - erfolgreiche Beispiele von deutschen Autor_innen, zu denen in jedem Fall Michael Ende's „Die unendliche Geschichte“ (1979) oder die Tintenwelt-Trilogie (2003-07) von Cornelia Funke gehören. Die Tintenwelt-Trilogie kenne ich nicht, aber „Die unendliche Geschichte“ fand ich damals, als sie erschien, schon sehr toll. 

Während in diesen und vielen vergleichbaren anderen Büchern wahrscheinlich nur einzelne Bücher oder einzelne Antiquariate im Mittelpunkt stehen oder Schauplatz des Geschehens sind, ist es in Walter Moers' Fantasy-Roman „Die Stadt der träumenden Bücher“ (2004) eine ganze fiktive Stadt mit endlosen uralten Katakomben voller Bücher und Bibliotheken. 

Während meines Urlaubs habe ich auch Zeit gefunden, zwei Romane zu lesen. Als jeweils erster Teil eines neuen, inzwischen mehrbändigen Zyklus greifen sie die Idee von der Existenz großer, geheimnisvoller Bibliotheken auf und versuchen diesem Plot neue Nuancen hinzuzufügen: 

Kai Meyer „Die Seiten der Welt“ (2014). Der Autor ist ein „alter Hase“, der schon Dutzende von Romanen geschrieben hat und von dem ich schon vor knapp 20 Jahren ein erstes Buch („Der Schattenesser“, 1996) las. „Die Seiten der Welt“ gewann die deutschen Phantastik-Literaturpreis-Seraph. Inzwischen gibt es vier Fortsetzungen. 

Genevieve Cogman „Die unsichtbare Bibliothek“ (orig.: The Invisible Library, 2015). Die Britin schrieb hier ihren erfolgreichen Debut-Roman, der daher inzwischen vier Fortsetzungen erfahren hat. 

Ich will die Geschichten hier inhaltlich gar nicht groß erzählen, das haben schon Andere gemacht. Phantastik- und Steampunk-Elemente haben beide Fantasy-Romane. In Kai Meyers Roman ist die Protagonistin der Geschichte ein junges Mädchen, bei Genevieve Cogman eine junge Frau. 

Kai Meyers Plot hat riesige labyrinthische Bibliotheken, eine Stadt der Bücher, zahlreiche Geheimnisse und phantastische Wesen, Tore in eine andere Welt, Intrigen, Mord und Totschlag auf der Suche nach bestimmten Büchern. 

In Genevieve Cogman's Roman ist die Bibliothek selbst in einer undefinierbaren zeitlosen Zwischenwelt angesiedelt. Man sammelt dort seltene Bücher aus Parallelwelten, die über magische Tore betreten und dort beschafft werden müssen. Zahlreiche Geheimnisse und phantastische Wesen, Tore in eine andere Welt, Intrigen, Mord und Totschlag auf der Suche nach bestimmten Büchern sind auch hier zu finden. 

Den wirklich „großen Wurf“ kann ich den beiden Büchern nicht attestieren. Man kann sie ganz gut und flüssig lesen, aber ich fühlte Schwächen bei der atmosphärischen Ausgestaltung, beim Stil, vermißte intellektuellen Tiefgang in den Dialogen, es viele phantastische Elemente und Ereignisse, die aber nur zugunsten von zu viel Action- und Abenteuer-Feeling angerissen werden. 

Mitunter hatte ich den Eindruck, dass diese Bücher zu offensichtlich für die Zielgruppe „junge Mädchen“ geschrieben wurden.

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