Donnerstag, 28. Dezember 2017

Filmwelten: Clair Obscur und andere Filme


Yesim Ustaoglu's Film Clair Obscur spielt an der türkischen Schwarzmeer-Küste und ist einer jener typischen Filme, die die sehr unterschiedlichen, oft herkunftsbedingten sozialen Entwicklungen im türkischen Geschlechter-Verhältnis thematisieren. Im Mittelpunkt der Geschichte steht auf der einen Seite eine junge, modern erzogene Psychiaterin, die in gehobenem Ambiente eine sexuell intensive Beziehung mit einem Mann pflegt, auf der anderen Seite eine noch jüngere Frau, die mit einem älteren Mann zwangsverheiratet wurde und mit ihm und der kranken Schwiegermutter in einem schäbigen Häuserblock wohnt. 

Die Geschichten laufen zusammen, als Mann und Schwiegermutter in der Wohnung sterben, die Frau traumatisiert zusammenbricht und in die Psychiatrie eingeliefert wird. 

Dieser Film, der düstere Untertöne hat, ist mit beeindruckender Intensität erzählt – und das gilt auch für die Trauma-Behandlung. Das zeigt mal wieder, dass manche RegisseurInnen des türkischen Films längst das europäische Spitzenniveau erreicht haben. 

Ergreifend wird der Film durch das Spiel seiner Hauptdarstellerinnen“, meint epd-film

Carine Tardieu's Film Eine bretonische Liebe erzählt vom Beziehungswirrwarr um einen Mann, der erfährt, dass „sein Vater“ gar nicht sein Vater ist, dessen Tochter schwanger ist, aber zunächst nicht ihren Lover nennen will und einer attraktiven Ärztin, die er zwar nur zufällig kennen lernt, mit er aber verwandt sein könnte. Der Film ist zwar einigermaßen ansprechend inszeniert, hat liebevolle Charaktere, bleibt aber aufgrund des komplexen Gefüges zu sehr an der Oberfläche und löst alle Konflikte in Wohlgefallen auf. 

Besonders Cécile de France als Ärztin kann mit ihrem spröden Charakter überzeugen, während der Soundtrack des Films mit nervigen Operngesängen unterirdisch ist. 

Eine Geschichte, die so unrealistisch und romantisch ist, dass man sie unbedingt wahrhaben will“, meint t-online

In Claire Denis' Film Meine schöne innere Sonne spielt Juliette Binoche eine Frau auf der Suche nach einer perfekten Beziehung. Sie hat diverse Liebhaber an der Hand bzw. wird immerfort von neuen Kandidaten mehr oder weniger subtil angebaggert. Ein typisch französischer Beziehungsfilm. Aber das viele „Gequatsche“ in gehoben situiertem Milieu kann in diesem Fall streckenweise ernsthaft nerven.

Und als die Dame am Ende des Films dann auch noch zu einem Wahrsager geht, um die Chancen und Risiken ihrer Beziehungskisten ausloten zulassen, ist der Bogen dann endgültig überspannt. 

Man könnte die Geschichte als Abrechnung mit einer Kultur-Schickeria und im weiteren Sinne einer bürgerlichen Gesellschaft verstehen, die ausschließlich an der Optimierung ihres ohnehin privilegierten Lebens arbeitet“, sagt die zeit

Wie schafft es Frau Binoche nur, maximal „wie 40“ auszusehen, obwohl sie 53 Jahre alt ist? 

Prognose/Wertung: Filme noch mal ansehen? 

Clair Obscur: ja, vielleicht. 
Eine bretonische Liebe: tendenziell eher unwahrscheinlich. 
Meine schöne innere Sonne: tendenziell eher unwahrscheinlich. 

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